Der Betrieb übernimmt
Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es bekanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu verwandeln.
Ob einem das theaterästhetisch nun gefällt oder nicht – daraufhin sind die Betriebe jedenfalls optimiert, angefangen vom Stellenplan über die Bühnenarchitektur, Technik und Verwaltung bis zur Ausbildungsstruktur für die dafür erforderlichen Sonderkompetenzen als Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner, seit einiger Zeit auch für Autoren. Fluch und Segen dieser theaterbetrieblichen Spezialkompetenz ist nämlich unter anderem eine ständige Suche nach neuen Vorlagen, denn der berüchtigte Kanon aus Klassikern und modernen Standardtänzen erschöpft sich naturgemäß spätestens nach dem siebten «Hamlet» und achten Tschechow.
Nichts fällt so einem Stadttheater leichter, wenn es sich neben dem gut geölten Normalbetrieb noch ein kleines Extra leisten will, als ein Autorenwettbewerb. Man stifte einen kleinen Preis, sagen ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Die Kamera bewegt sich durch die Straßen der Stadt. Ortskundige erkennen irgendwann, wohin die Reise geht: Die Kamerafahrt führt hinaus ins Krankenhaus Lainz, am südwestlichen Rand der Stadt. Auf der dortigen Komastation liegt die 25-jährige Balletttänzerin Karin Anna Giselbrecht seit drei Jahren im Wachkoma.
Auf dem Weg zu ihr erzählen Inserts ihre Geschichte. Wir...
Gott ist nicht tot. Nur einfach nicht da. Stattdessen ragt ein Kran von einer mehrstöckigen Plattform krakenhaft ins Nirgendwo. Das Studierzimmer: eine Schmuddelecke mit Waschbecken, und auch sonst hat sich einiges verändert im meistzitierten deutschen Drama, und das mit Recht, versteht sich, «denn alles, was entsteht/Ist wert, dass es zugrunde geht …» etc. pp....
Als Matthias Lilienthal im Sommer 2012 mit einem launigen Theater-Parcours auf dem Tempelhofer Feld und einer dramatischen 24-Stunden-Bustour durch alte Westberliner Architektur-(Sünden-)Highlights seinen Ausstand als Intendant des Kreuzberger Theaterkombinats HAU gab, klang es in der Hauptstadtpresse ein bisschen so, als könne der Freie-Szene-Hort nach ihm...
