Foto: Sarah Jonek/Theater Bielefeld
Bielefeld: Zu Tode erklärt
So ein süßes Raumschiff! Es surrt freundlich beim Fliegen, es blinkt und leuchtet bunt, es landet ganz sanft vor den Füßen der ersten Reihe – und wer auch immer da an Bord ist, fängt sofort an zu schimpfen wie ein Rohspatz: «Ihr seid so dumm und scheiße, so krass dumm und scheiße einfach!» Damit wir Erdlinge das hören können, hält ein Schauspieler in weißer Weltraumunterwäsche sehr konzentriert ein Mikro an die UFO-Drohne. «So dumm und scheiße einfach. Und dann seid ihr einfach wieder so urlieb und herzig.
» Die krass kleine und krass intelligente Lebensform hat offensichtlich Schwierigkeiten, unsere Spezies wissenschaftlich eindeutig zu klassifizieren. Das ist schön nerdig, fatalistisch und ein bisschen zauberhaft, genau wie das Plakat zur Uraufführung von Bonn Parks «Das Knurren der Milchstraße». Es zeigt weiße, blinkende Sternenpunkte auf schwarzem Grund. Und einen Astronauten. Der hat einen Staubsauger dabei und saugt die ganze romantische Unordnung weg.
Für das Gewinnerstück des Berliner Stückemarkts 2017 hat Bühnenbildnerin Julia Nussbaumer die kleine Spielstätte des Schauspiels Bielefeld im «Theater am Alten Markt» in ein semifunktionales Spacelab mit Klavier verwandelt. ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Cornelia Fiedler
Zu Beginn der Spielzeit unter der Intendanz von Anselm Weber ist im Frankfurter Schauspielhaus die monströs breite, tiefe und hohe Bühne verschwunden. Auf dieser stets abschreckenden, auch den Zuschauern irgendwie Furcht einflößenden Fläche steigen nun Sitzreihen an, auch an den Rändern, und das Ganze bildet eine Arena – in deren Mitte, ein paar Quadratmeter nur,...
Als zweiter Band der Werkausgabe Hermann Sinsheimers, die mit der erstmals vollständig übersetzten Fassung seiner im Londoner Exil geschriebenen Autobiografie «Gelebt im Paradies» begonnen worden ist, liegt nun «Shylock und andere Schriften zu jüdischen Themen» vor. Hermann Sinsheimer, der 1931/32 mit dem Wechsel von München nach Berlin den Gipfel seiner...
Sie sind immer gut angezogen, sehr gepflegt, auch wenn das Jackett an Kragen und Ärmelkanten schon abgestoßen ist. Man trifft sie am Bahnhofsvorplatz, in Fußgängerzonen, im Einkaufszentrum. Wenn sie eine Pfandflasche aus dem Mülleimer ziehen, dann hat das, im Gegensatz zu den jüngeren Flaschensammler*innen mit der effizienteren Strategie, meist noch etwas betont...
