Schadeschadeschade
Juchzen ist verräterisch. So ein Urlaut aus tiefster Kehle enttarnt den bravsten Jüngling als Seelenverwandten brünftiger Rothirsche. Urs Peter zum Beispiel, ein blonder Mittdreißiger, hätte sich ebenso gut den Sommeranzug vom fülligen Wohlstandsleib reißen und den Fellschurz entblößen können. Aber nein, er steht starr an der Rampe und juchzt. Das passt zum Sujet von Laura de Wecks zweitem Theaterstück «SumSum». Denn ein Juchzen löst in der Regel ein vielstimmiges Echo aus, dessen Urheber weder zu orten noch zu identifizieren sind.
Ergo bewegt sich der eidgenössische Jodler in einem archaischen Alpen-Chatroom.
Urs Peter ist Eidgenosse, er juchzt, er ist brünftig. Und er hat im Chat eine Frau kennen gelernt. Eine, die wie ein Echo seine Gefühle erwidert. Dass Selina aus einem namenlosen Südstaat stammt, wo ein Schweizer an der Angel mit Liebe wenig und viel mit dem großen Los zu tun hat, übersteigt Urs Peters Horizont. Ihn verlangt’s nach einem Schuss Romantik, einem Schuss Exotik, nach einem Schnappschuss, den er seinem bescheuerten Freund (herrlich: Herwig Ursin) unter die Nase reiben kann, damit der «supersupersuper, uiuiui» brabbelt und Urs Peter nicht länger mit einer ...
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