Kunst und Handel
Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.
Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen Ort wieder zu eröffnen. Um sie gruppieren sich «ihre» Künstler: Philip, zwischen anerkannt und zu niedrig gehandelt; er liebt Lucy, sie beschimpft ihn, weil er verkauft. Und damit ihre Galerie über Wasser hält.
Jacques kommt nie zum Arbeiten und will sein Künstlertum durch größtmögliche Exaltiertheit zum Ausdruck bringen.
Janine, kunstgewerblich angehaucht, soll aus der Galerie fliegen und fühlt sich aufgrund von Geschlecht und Alter diskriminiert. Dazu kommt eine jugendliche Sprayerin, die den «Eingeweihten» die Möglichkeit gibt, ihr stellvertretend für die Zuschauer die Wunderlichkeiten und Zynismen ihrer Welt nahe zu bringen. Und zwei Kunstkritiker, die sich, natürlich, hassen; der eine ist zudem ungeniert käuflich. Den potenten Kunden (natürlich neureich und ohne Kunstverstand) bringt er gleich mit.
Die Vernissage endet ...
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Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...
Irgendwo hat man den Mann schon einmal gesehen. Wahrscheinlich in einem dieser New-York-Filme, in dem der Chefredakteur in einer Kabine am Ende des Großraumbüros residiert. Dort sitzt er am Schreibtisch, das Hemd frisch gebügelt, den Knopf am Hals offen, darüber Hosenträger wie Larry King, und blickt seinem gegenüber hart-aber-herzlich in die Augen. Ehrliche...
Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen...
