Vergessen
Ander gräbt. Seine Hände sind verbunden, sie eitern unter den Verbänden. Trotzdem arbeitet er weiter an diesem Tunnel unter seiner Hütte, im sandigen Grund. Auch wenn jetzt niemand mehr kommt, will er vorbereitet sein. Denn irgendwann werden sie doch wieder kommen, und dann wird dieser Tunnel seine Goldgrube sein.
Ander ist eine der Figuren, die im «Territorium» leben, einem Randgebiet des alten Europa, das in Thomas Freyers neuem Stück «letztes Licht. Territorium» nur noch «Kontinent» heißt, abgeschieden von allem, isoliert.
Der Kontinent hat sich eingemauert, mit wie vielen Privilegien ist unklar, aber immerhin ist es besser als anderswo.
Anderswo, das sind die anderen Kontinente, wo die Menschen bloß noch unter der Erde leben können, wie man sagt, in Höhlen und Erdlöchern, weil oben alles verbrennt. Und anderswo ist auch das Territorium, ein Landstrich am Meer, am Strand.
In seinem neuen Stück begibt sich Thomas Freyer auf eine Gedankenreise in eine düstere, nicht allzu ferne Zukunft. Wenn die Mauern und Zäune um Europa noch höher geworden, wenn die Grenzen ganz dicht gemacht sind. Wenn es keine Fluchtrouten mehr gibt, wenn ein prekärer, fragwürdiger Status quo um jeden ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 166
von Felicitas Zürcher
A
Nora Abdel-Maksoud
Ein neues Stück (Schauspiel Hannover)
Thomas Arzt
Und morgen streiken die Wale (Pfalztheater Kaiserslautern)
B
Lukas Bärfuss nach Stendhal
Julien – Rot und Schwarz (Theater Basel)
Lukas Bärfuss
Die Werkzeuge des Herrn ( Schauspiel Köln)
Zsuzsa Bánk, Lars Brandt und Martin Mosebach
Stimmen einer Stadt (Schauspiel Frankfurt)
Esther Becker
Das Leben ist ein...
Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden. Bereits im...
Was macht einen Künstler heute zum Künstler? Was ist seine alternative, dissidente oder sonst anders gedachte Position?»
Mir scheint: der Rückzug – wie zu allen Zeiten!
Aus dem Gewusel der alles fordernden und überfordernden Alltäglichkeit unserer Städte zurück in die Stille, Unaufgeregtheit oder Leere einer Probebühne, eines Sets, eines Ateliers. Da hat man –...
