Spinning for Life

Esther Holland-Merten über Susanna Mewes «Die Handgriffe der Evakuierung»

Theater heute - Logo

Drei Flugbegleiterinnen, namenlos, gefangen im interkontinentalen Streckennetz. Ihre Rolle zwingt sie, sich inmitten des sie umgebenden unaufhörlichen Treibens dem Korsett genau choreographierter Bewegungsabläufe anzupassen. Ihr Sprechen ist lehrgangsgeschult. Ihr Umgang mit problematischen Fluggästen entnehmen sie dem Handbuch zur Psychologie von Angstpatienten. Sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Sie sind das «erste Bild, das die Airline auf die Netzhaut des Kunden stanzt». Ihr Aussehen ist standardisiert. Sie wissen, wie sie zu wirken haben.

Ein Heer von Weisungsbefugten wacht über sie. Die Erwartungen sind hoch, und es gilt, sie zu erfüllen. Sie wissen, wie sie zu funktionieren haben.

Rita ist Professorin für Literaturwissenschaft. Sie kämpft mit den Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung, während sich ihr Selbstbild aufzulösen beginnt. In Rückblenden erinnert sie sich an die Stadien ihrer körperlichen Selbstentfremdung, in denen sie sich medizinischen Behandlungsszenarien hilflos ausgeliefert sah. Für Gloria, eine Studentin, hat sie Mann und Kinder verlassen. In Gloria sieht sie sich selbst, wie sie einmal war. In ihr kann sie den Spiegel finden, in dem kein Verfall ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 166
von Esther Holland-Merten

Weitere Beiträge
Das Schreiben kommt nach der Wut

I.
Dem Wunsch der Redaktion nach einem Wutanfall und ungezügelter Wut muss ich wie folgt begegnen: Selbst mir, dem durch sich abwech­selnde und ergänzende Ungeduld und Verschlafenheit viel entgeht, konnte unmöglich entgehen, dass ich mich durch eigenes Zutun offen­sichtlich zum Wutlieferanten qualifiziert habe.

Dazu ist zunächst einmal anzumerken, dass es mir...

Todestänze

Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der...

Was es zu verlieren gibt

Das Bühnenbild des Jahres ist bereits verschrottet, nach der letzten Vorstellung beim Theatertreffen im Berliner Mai reiste das Ensemble von «Tod eines Handlungsreisenden» mit leichtem Gepäck zurück nach Zürich. Sehr zum Ärger von Robert Hunger-Bühler, der in diesem verschwenderischen Traum der fünfziger Jahre, wie ihn Stéphane Laimé für den Regisseur Stefan Pucher...