Der schwarze Schatten
Eine Renaissance seines Theaters wird es nie mehr geben. Man kann sich nur noch mit Hilfsmitteln daran erinnern, was Tadeusz Kantor auf der und für die Bühne bedeutet hat: Video-Mitschnitte der Aufführungen, endlose Reihen von (Schwarz-Weiß-)Fotos, Manifeste, Partituren, Skulpturen, Kostüme, Bühnenbilder, Grafiken und Emballagen – Relikte, allein in «seiner» Stadt Krakau aufbewahrt und archiviert in drei großen Gebäuden, den sogenannten «Cricotecas». Ein Symposium im vergangenen Jahr (zum 90. Geburts- und zum 15.
Todestag) brachte dort noch einmal die alten Mitstreiter des legendären Theaters Cricot 2 zusammen, aber auch junge Bewunderer, die noch ein paar Impulse spüren wollten von der vergänglichen Kunst des manischen polnisch-kosmopolitischen Theatermachers Kantor.
Aber einmal mehr wurde in Krakau (wie auch bei Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen in Leipzig und Erlangen) bewusst, dass da etwas fehlt, dass es unmöglich ist, diese Kunst zu beschwören, ohne den großen Kunst-Beschwörer vor sich auf der Bühne zu haben: «Er war sein Theater» heißt denn auch ganz konsequent die erste deutschsprachige Monografie über Tadeusz Kantor (1915–1990), die jetzt die in Zürich lebende ...
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