Der gerechte Zorn
Das wirklich interessante Lehrstück fand im Vor- und Nachspiel zur Inszenierung statt. Wie üblich hatte das Hamburger Schauspielhaus seinen potenten Freundeskreis zu einer öffentlichen Probe geladen, bevor die Premiere von Volker Löschs «Marat/Sade»-Produktion nach Peter Weiss und mit Hamburger Hartz-IV-Chor Ende Oktober über die Bühne ging.
Im Epilog zum Stück, das Lösch und seine Helden des Prekariats zur flammenden Anklage gegen die zunehmend klaffende Schere von Arm und Reich nicht nur in Hamburg nutzten, las der Chor die Namen von 28 Hamburger Bürgern nebst (Firmen-)Adressen vor, die sie sich aus einer soeben veröffentlichten Liste der «300 reichsten Deutschen» im «Manager Magazin» herausgepickt hatten: wohlbekannte Namen wie Fielmann (1,45 Milliarden), Otto (5,65 Milliarden), Herz (6,1 Milliarden), weniger bekannte, aber kaum weniger wohlhabende von Eckelmann (Container, 550 Millionen) über Claussen (Pharma, 1,15 Milliarden) bis Weisser (Mineralöl, 1,55 Milliarden). Aus dem vorbesichtigenden Freundeskreis dürfte die Stille Post hinausgegangen sein, die vier der Inkriminierten (eher die billigere Liga zwischen 450 bis 650 Millionen) über einen gemeinsamen Anwalt mit ...
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Peter Zadek, 82, hat Hörprobleme, wie er im Gespräch mit Ascan Gossler von der Hörgeräte-Firma «oticon» darlegt: «Für Menschen mit Hörminderungen verwandelt sich ein Theaterraum leicht in eine große Arena, in der die akustische Orientierung eine Herausforderung darstellt. Ich hatte das Gefühl, mich immer stärker anstrengen zu müssen, um der Kommunikation folgen zu...
Nein, hatte Ozan vor zwei Jahren gesagt, er könne doch jetzt keinen Gemüseladen oder eine Döner-Bude in der Stadt aufmachen. Aber was solle er tun? Damals stampfte er bei diesen Sätzen mit den Füßen auf, vor Kälte und auch vor Wut. Die Hände streckte er in Richtung der Flammen, die aus den verrosteten, zu Öfen umgerüsteten Benzinfässern züngelten: «Auswandern...
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
