«Wie sind wir zu solchen Versagern geworden?»
Irgendwann im Leben lernt man, dass das Aufgeben eigentlich eine größere Aufgabe darstellt als das Weitermachen. Dass man sich abschotten muss vom Rest der Welt, in seinen eigenen vier Wänden, wenn es geht. Am besten mit einem Kindheitstrauma zur Hand, womöglich unterstützt von einem Familienangehörigen oder einem alten Freund. Das offensichtlich schon durch einige Hände gegangene graue Ikea-Sofa in David Levines Theaterinstallation «Habit» ist unter anderem deshalb ein genialer Schachzug.
Denn es kommt einem merkwürdig bekannt vor: bekannt aus unzähligen Off-Broadway-Inszenierungen; bekannt aus den Rezessions-Sitcoms wie «2 Broke Girls», die seit ein, zwei Jahren die abendlichen Fernsehbildschirme erobert haben; bekannt aus den Brooklyner und Berliner Wohnungen von Freunden und Bekannten. Es bildet den perfekten Hintergrund für die zentrale Frage der von Levine und seinen Schauspielern aufgeführten Performance, die das kleine kulturelle New York während ihrer zehntägigen Laufzeit im September regelrecht wachrüttelte.
«Wie sind wir nur zu solchen Versagern geworden?», platzt jemand an einer Stelle heraus. Damit drückt er nicht nur ein Lebensgefühl aus, das im privaten Amerika ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Ausland, Seite 10
von Daniel Schreiber
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