Im Morgengrauen der Saison
Was gibt es Schöneres, als am Vorabend der neuen Saison in den Spielplanheften zu blättern und all die aufwühlenden, inhaltsreifen, gedankenschweren Sätze auf sich wirken zu lassen? So ein Spielplan aus Shakespeare und Schiller, Goethe und Kleist, Horváth und Büchner, Gegenwartsdramatik und Deutscher Erstaufführung will ja nicht nur vor Ensemble und Publikum bestehen, disponibel sein und die löchrigen Etat-Rahmen berücksichtigen, er will ja auch begründet sein: Warum er hier und heute so und nicht anders entschieden und bestimmt wurde.
Warum es gerade dieser und nicht jener Shakespeare sei, warum am großen Plan nur die erhabensten Ideen gewirkt haben.
1976 soll der noch junge Benjamin Henrichs aus diesem Anlass geschrieben haben «Nun lügen sie wieder», jedenfalls hat sich das der nicht mehr ganz so junge Friedrich Schirmer gemerkt. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Mit markerschütternder Aufrichtigkeit spricht uns das künstlerische Leitungspersonal an, voll der Fragen, Skrupel, Selbstzweifel, Sinnsuche.
Schirmer, der mit dem Hamburger Schauspielhaus das zumindest nach Plätzen größte deutsche Theater übernimmt, grüßt mit dem «Dialog eines Theaterdirektors mit ...
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Das berndeutsche Wort «Grümscheler» lässt sich am ehesten mit Bastler oder Puzzler übersetzen. Ein Grümscheler ist einer, der einen kleinen Weltausschnitt in seine Einzelteile zerlegt und diese dann in anderen Kombinationen neu zusammensetzt. Ein Eigenbrödler, der so lange in seinem Kämmerlein vor sich hin wurstelt, bis er eine gänzlich überflüssige, aber doch...
An einem bedeckten Sonntagvormittag im Juli auf dem Grazer Hauptplatz. Ein paar Wurstbuden und Cafés haben schon geöffnet, aber das kann nicht der Grund sein, warum sich eine ansehnliche Menschenmenge in Schwarmformation kreuz und quer über den Platz bewegt. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen schmächtigen Mann mit Brille, Baskenmütze und blauem...
Am Gipfel blendet ein Licht, nicht unbedingt das Licht der Aufklärung, vielleicht sogar ein Irrlicht und flackernder Augentrug. Die seit diesem Jahr von Jürgen Flimm geleitete RuhrTriennale beleuchtet das Doppelgesicht der Romantik: Ratio und Irrationalität, industrieller Fortschritt und Sehnsucht nach dem Vergangenen, Settembrinis Zukunftseuphorie und Naphtas...
