Wenn der Dramenmotor heißläuft
Was für ein Held! Johann Nepomuk Mälzel hat das Metronom erfunden, er hat künstliche Welten in Dioramen geschaffen, Automaten und Spielfiguren gebaut; er träumte von einer besseren Welt, und die Mechanik schien ihm der Schlüssel dazu. Er war ein leidenschaftlicher Schausteller und damit auch ein Dramatiker. Seine Welten sollten funktionieren. Das Werkzeug war fein genug, um jeden Fehler beheben zu können, so dass alles sich drehte, bewegte, Charme und Ausdruck hatte.
Anders beim Dramatiker: Für Fehler in der Mechanik von Personenkonstellationen und Handlungsabläufen gibt es zwar auch Werkzeuge, aber benutzt man sie zu lange und zu intensiv, sieht das Ergebnis aus wie aus dem Workshop für kreatives Schreiben oder wie nach dem Besuch des Script-Doctors. Dramatiker müssen mit ihrem Werkzeug sehr vorsichtig umgehen. Oft zerstört es mehr, als es repariert, immer nutzt es sich elend schnell ab.
Lutz Hübner, mittlerweile der am meisten gespielte zeitgenössische deutschsprachige Dramatiker, weiß um die Schwierigkeiten und Gefahren bei der Erzeugung künstlicher Welten. Er verfügt über ein eindrucksvolles Arsenal feinster Werkzeuge. Und er vermag damit umzugehen. Seine Jugendstücke («Das ...
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