St. Pölten: Attila Bartis «Meine Mutter, Kleopatra» (DE)
Andor Weér ist ein Schriftsteller, der ein Problem mit Frauen hat. Das hat er zwar mit zahllosen anderen Romanhelden gemeinsam, Andor aber ist ein besonders schwerer Fall. Seine Schwester Edit, eine Geigerin, hat sich in den Westen abgesetzt. Seine extrem possessive Mutter Rebekka, eine berühmte Theaterschauspielerin, hat dem Sohn
einen monströsen Ödipuskomplex herangezüchtet. Ester, seine Geliebte, leidet unter einem sexuellen Trauma. Und dann hat Andor auch noch eine Affäre mit seiner Verlegerin Éva, die mit seinen Eltern einst eine Ménage-à-trois gebildet hatte.
In dem Roman «Die Ruhe» (2001) beschreibt der ungarische Autor Attila Bartis (geb. 1968) meisterhaft die seelischen Verwüstungen, die ein totalitäres Regime anrichten kann. Nach der Flucht der Tochter macht die Behörde der Mutter klar, dass sie ab sofort nur noch Nebenrollen spielen würde. Direkt von der Probe, noch im Kleopatra-Kostüm, läuft die verzweifelte Diva durch die Straßen Budapests nach Hause und zieht sich für die letzten 15 Jahre ihres Lebens in ihre mit Theaterrequisiten eingerichtete Wohnung zurück. Diese ist Hauptschauplatz des Romans, der zeitlich in den frühen 90er Jahren, kurz vor dem Tod der Mutter, ...
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Theater heute Juni 2014
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Wolfgang Kralicek
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