Theater Augsburg
Was für eine Männerfreundschaft! Da stehen sie dicht voreinander, Orgon und Tartuffe, blicken sich tief in die Augen und schütteln sich vor Lachen, genauer: vor Lachyoga. «Wer seiner Lehre folgt, empfindet tiefsten Frieden», frohlockt der Hausherr. Er ist dem Guru Tartuffe samt dessen Glücksverheißungen aus fernöstlichen Entspannungs–techniken und Voodoo-Klimbim komplett auf den Leim gegangen und verachtet nun Frau und Kinder für deren Konsum- und Lebensfreude.
Ein Tartuffe, der seinen Gastgeber nicht mit der christlichen Büßer-Masche beeindruckt, sondern ihn zum fanatischen Anhänger einer selbstgestrickten Feld-, Wald- und Wiesen-Esoterik formt – das ist so naheliegend zeitgemäß, dass es fast gar nicht als Setzung der Regie auffällt. Vielleicht zieht Sigrid Herzogs exakt durchkomponierter «Tartuffe» deshalb so schnell und intensiv in Bann: Jeder noch so überspitzte Einfall kommt mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit daher.
Die Dialoge etwa klingen, als wären rein zufällig einige Passagen in Versform geraten. Das ist zum einen dem uneitlen Spiel der Darsteller zu verdanken, zum anderen der Übersetzung von Rainer Kohlmayer, die zwischen betulich und unverblümt changiert ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Cornelia Fiedler
In der «Zeit» hat sich der Autor F.K. Mafhys einmal grundlegende Gedanken darüber gemacht, ob der Sport in Shakespeares Leben und Stücken eine besondere Rolle spielt. Sieht man davon ab, dass für den Dichter auch schon Bärenfang oder die Jagd von Fischen, Hasen und Fasanen zum leibesertüchtigenden Zeitvertreib zählten, so finden sich in den Dramen doch tatsächlich...
Orgon hat Geld und Stil, das sieht man gleich: Ein weißes Sofa steht in seinem meterhohen Wohnraum, daneben ein paar Design-echte Freischwinger und eine marmorne Deko-Kugel. Der Teppich ist saftig grün, die Tapeten sind floral gemustert, und von der Decke baumeln gleich drei Kristalllüster. Thomas Heick hat diese Habitat-Katalogwelt für den Lübecker «Tartuffe»...
Alle drei Abschnitte des neuen Stücks von Philipp Löhle (Jahrgang 1978) heißen «Kr(e)ise». Also Krise und Kreise. In elliptischen Bewegungen zirkulieren die vier Angehörigen einer Familienbande umeinander, wie Satelliten um ihre Planeten, allerdings in wechselnden Konstellationen. Und auch wenn keine Sonne scheint.
Das «Außerkraftsetzen der Endkrise durch die...
