Szenenapplaus für eine Schreibmaschine
Sie haben die Band wieder zusammengebracht: Mit dem neuen Schauspielchef Stefan Schmidtke kam auch der russische Autor und Performer Jewgeni Grischkowez nach mehrjähriger Pause zurück zu den Wiener Festwochen. In den Nullerjahren gehörte Grischkowez zu den Stammgästen und Publikumslieblingen des Festivals; mitverantwortlich für den Erfolg seiner Erzähltheatersolos war der kongeniale Simultanübersetzer Schmidtke. Kein Wunder, dass die Rückkehr des Duos vom Festwochenpublikum ähnlich freudig begrüßt wurde wie von Popfans einst die Reunion von Simon and Garfunkel.
«Abschied vom Papier» ist aber auch aus anderen Gründen eine Comebackproduktion:
Davor hatte sich Grischkowez für ein paar Jahre von der Bühne zurückgezogen, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Thema des Abends, der 2012 Premiere hatte, ist die Vergänglichkeit. «Niemals» und «für immer» seien die schlimmsten Wörter für ihn, sagt Grischkowez; sie erinnerten ihn daran, dass das Leben endlich ist. «Ich mochte den Roman ‹Der letzte Mohikaner›, aber der Titel gefiel mir nicht. Hätte er nicht ‹Der vorletzte Mohikaner› heißen können?» Im Speziellen trauert der Erzähler in «Abschied vom Papier» jenen Kommunikationsmitteln nach, ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 16
von Wolfgang Kralicek
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
Es ist kalt und hermetisch in jenem «Baal», den Nuran David Calis zum Ende der Spielzeit im Leipziger Schauspielhaus präsentiert. Auf die Bühne hat Irina Schicketanz einen großen, weiß gekachelten Raum irgendwo zwischen Großraumtoilette und Gummizelle gestellt, in dem Sebastian Tessenow als Baal sein getriebenes Unwesen Revue passieren lässt. Calis spielt die erste...
Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf...
