Lustvoll ausgepeitscht
Schwierige Sache, die Freiheit. Kaum sagt keiner mehr, wo’s langgeht, geht alles durcheinander. Die alte Mam (Heidemarie Rohweder in einem Kurzauftritt) hat ihr Leben ausgehaucht, und vier ihrer Arbeitssklaven heben den Leichnam an, um ihn wegzutragen – aber jeder will in eine andere Richtung. Kurzes Zerren, Stolpern, Stutzen. Dann weist Noch-Vorarbeiter Stanley (Thomas Eisen) nach rechts, und man setzt sich in Bewegung.
Dass sich auch in kleinen Momenten das große Thema spiegelt, spricht für die Konsequenz, die Volker Lösch in seiner zweiten Lars-von-Trier-Adaption in Stuttgart an den Tag legt. Vor knapp drei Jahren schockte er zu Hasko Webers Amtsantritt die schwäbischen Abonnenten mit einer radikal eingemeindeten «Dogville»-Version (siehe TH 11/05). Die Gefahr knallender Türen droht bei «Manderlay» nicht, auch wenn Lösch die auf die USA gemünzte Filmhandlung erneut nah an den Spielort heranzieht: Statt schwarzer Baumwollplantagensklaven befreit Grace hier arme Sweatshop-Schufter, die als Zwangs-Multi-Kulti-Gemeinschaft in einem Container hausen (Ausstattung Carola Reuther) und von in Stuttgart lebenden Migranten gespielt werden.
Doch wo «Dogville» dem Parkett plakativ-provokant ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Klaus Michael Grüber starb am 22. 6. 2008 in Le Palais auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer, gerade eben 67 Jahre alt geworden, geboren am 4. 6. 1941 im schwäbischen Neckarelz. Die Todesanzeige nennt ihn Regisseur und Ritter der französischen Ehrenlegion. Zwei Brüder und eine Schwester haben unterzeichnet, dazu die Lebensgefährtin. «Seine Asche haben wir am...
Vielleicht sollten sich Theater, anderen Unternehmen folgend, mal für das Instrument der freiwilligen Selbstverpflichtung interessieren. Zum Beispiel so: «Wir, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Textbearbeiter, verpflichten uns freiwillig, in der Spielzeit 2008/09 probeweise auf allen Authentizitätssprech, insbesondere auf Verwendung von Ausrufen, Wörtern und...
«Nix g’wies woas ma net», sagte die Dame hinter mir sehr gelassen beim Rausgehen und hatte damit das Wesentliche zusammengefasst. Dazu muss man sich allerdings in die Feinheiten der Münchner Grammatik begeben. Denn «nichts Genaues weiß man nicht» heißt eben trotz der doppelten Verneinung keineswegs, dass man was wüsste. Im Gegenteil: je doppelt verneinter, desto...
