Der Schlauch tut’s auch
Vor zwei Jahren hat sie mit ihrem Debutstück «Von den Beinen zu kurz» auf Anhieb den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen. Nun gab es nach dem ersten Erfolg von Katja Brunner eine weitere Uraufführung eines Stückes, dieses Mal inszeniert von der Regisseurin, die in Hannover für «Von den Beinen zu kurz» eine entrückte Bildwelt erfunden hat. Man denkt an diese Hannoversche Inszenierung, wenn Heike M. Goetze in Luzern mit Brunners neuestem Theatertext antritt.
«Geister sind auch nur Menschen» spielt in einem Altenheim. Es spricht vor allem «Frau Heisingers Inneres».
Dazu kommen eine «nicht zu bestimmende Anzahl am Altern Teilnehmender» sowie «Pflegefachkräfte und Pflegefachschwächen». Frau Heisinger kann noch selbst denken, wünscht sich lebenserleichternde Maßnahmen und kotet aus Protest die Wände voll. Ansonsten sind die Heiminsassen Trabanten auf dem Weg ins Nichts. Hin und wieder kommt es zur Interaktion, dann sagt einer Sätze wie: «Ich hätte da eine Bitte, bitte nicht mehr neben der Frau Heisinger speisen zu müssen, jetzt, wo meine Tage gezählt sind, will ich es noch schön haben.»
Alte können brutal sein wie Kinder, müssen aber auch einstecken. Essen sie nicht schnell genug, werden ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Jürgen Berger
Als der dem KZ entkommene Jude Edgar Hilsenrath, geb. 1926, Ende der 60er Jahre für seinen Roman «Der Nazi und der Friseur» einen deutschen Verlag suchte, hagelte es Absagen: Tollkühn erschien der Versuch, den Holocaust aus der Perspektive des Täters zu erzählen, unzumutbar die Geschichte des Massenmords als wilde, pornografische Kasperlegroteske. In den USA...
Kurz vor unserem Treffen schickt Noah Haidle noch eine erkennungsdienstliche SMS: «Ich sitze draußen und versuche, möglichst unamerikanisch auszusehen.» Der sachdienliche Hinweis macht es tatsächlich unmöglich, am Treffpunkt etwa auf den falschen Hipster-Bart-Träger zuzusteuern: So viele begnadete Selbstironiker tummeln sich nicht im «Wohnzimmer» am Prenzlauer...
Zugelassen zum Wettbewerb für den Autorenpreis waren sechs noch nicht uraufgeführte Texte. Dass die Jury am Ende feststellen konnte, die Qualität sei dieses Jahr außergewöhnlich hoch gewesen, hatte sicherlich damit zu tun, dass es auf dem Markt der neuen Stücke starke und schwache Jahrgänge gibt. Die Gründe für die lobende Erwähnung sind aber vielfältig. Zum einen...
