Ein Baum, der zweifelt
Zum Schluss sitzen da zwei Menschen erschöpft nebeneinander, ein Paar, das sich nichts geschenkt hat, sichtlich abgekämpft, aber dennoch ein Paar. Er schocksteif, mit schreckgeweiteten Augen und noch immer festgezurrter Krawatte, sie, im blutrot geblümten Abendkleid, leicht derangiert, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wüsste man nicht, dass gerade jeder von ihnen eins der gemeinsamen Kinder ermordet hat, ein gemeinsamer Neuanfang wäre nicht unvorstellbar.
Mit seiner Inszenierung von Tom Lanoyes Mythen-Revision «Mamma Medea» an den Münchner Kammerspielen hat Stephan Kimmig ein sehr heutiges Beziehungsdrama in schmutzigen Grautönen gezeichnet – weniger schicksalhaft ausweglos als von beiden Seiten selbst verantwortet und mitverschuldet bis zum hier gemeinsamen Kindermord. Kein Starvehikel für eine Schauspielerin – obwohl Sandra Hüller als nölende Megäre in Jogginghosen wahrlich furios spielt –, sondern die Chronik einer von Anfang an prekären Liebe zwischen zwei Entwurzelten. Voraussetzung dafür ist natürlich die entsprechende Besetzung des männlichen Parts, und die ist mit Steven Scharf in der Rolle des Jason, so Kimmig, «ein absoluter Glücksfall».
Die Jason-Verteidigung
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Wo Löhle drauf steht, kann auch Loriot drin sein. Im neuen Stück des hochproduktiven Wahl-Berliners geht ein frischgebackener Rentner seiner Gattin mit seiner neuen Dauerpräsenz gehörig auf die Nerven, was zu folgendem Dialog führt: «Was machst du da?» «Ich? Nix. Wieso?» «Ist dir langweilig?» «Wie kommst du darauf?» «Schau dir mal zu.» «Ich lümmle.» «Du lümmelst.»...
Was ist eigentlich aus dem «Ende der Geschichte» geworden? Dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama zufolge hat es bereits vor zwanzig Jahren stattgefunden, als sich der Weltgeist nach langem Ringen im Kalten Krieg schließlich für Kapitalismus und Demokratie entschied. Seither leben wir im Posthistoire – und haben vor allem Geschichte im Kopf.
Wenn...
Zwei Männer auf Segeltörn, auf dem trunkenen Schiff: Der Eine und Der Andere. Wir vermuten, dass das nur zwei Namen sind für ein- und denselben, nämlich den Autor. Jon Fosse schreibt hier sein poetologisches Programm als Stück auf. Könnte man sagen. Ziemlich kurze Pause. Vielleicht auch nicht. Pause. Oder doch. Kurze Pause.
Nach diesem Abend fühlt man sich gleich...
