Der Punkt auf dem Ei

Auf dem Weltmarkt hat die Volksrepublik China den ersten Platz ins Visier genommen – und gute Chancen, ihn auch bald ein­zunehmen. Das Sprechtheater muss allerdings fürchten, auf der Strecke zu bleiben

Theater heute - Logo

Im ersten Morgen in Peking steht auf Seite eins der englischsprachigen Zeitung «China Today», dass die Volksrepublik in fünf Jahren die USA auf Platz eins der Wirtschaftsmächte ablösen wird. Möglicherweise, erwägt der Kommentator lässig, auch schon zwei oder drei Jahre früher. Selbstbewusste Einschätzung, sportliche Ansagen: So habe ich mir das neue China vorgestellt. Auf Seite zwei folgen zwei längere Reportagen. Die eine berichtet von der Evakuierung eines 15.

000-Seelen-«Dorfes» nach schwerer Umweltverseuchung durch eine Fabrik, deren Ansiedlung die Dörfler noch vor wenigen Jahren bejubelt hätten; der andere vom Abriss eines staatlichen Altersheimkomplexes im Zentrum von Peking, dessen Bewohner nun privaten Investoren weichen und an den Stadtrand umsiedeln müssen. Obwohl Nachrichten und journalistische Inhalte vom Propagandaministerium gesteuert werden, klingen beide Artikel nicht unkritisch, lassen mehrere Seiten zu Wort kommen. Anscheinend ist die Modernisierung von oben in der Volksrepublik so weit gediehen, dass sie es sich leisten kann einzugestehen, welchen Preis der rasende Fortschritt hat.


Austauschsoffensive

Wo steht in dieser Dynamik das Theater? Prescht es mit dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Theater China, Seite 6
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plastiksessel im Schinkel-Bild

Angst haben wir alle. Wer weiß, dass er ein Einzelner ist, hat sie: eine Grundbefindlichkeit des modernen Individuums. Das gilt auch soziologisch: Je freier eine Gesellschaft, je individualisierter, desto mehr diffuse Angst. Das zeigt uns auf belustigende Weise das Stück «Aufzeichnungen aus einer Doppelhaushälfte». Verfasst hat es eine «Anna Behringer», inszeniert...

Snapshot Beijing

Eines steht fest: Der Verkehr reißt nicht ab.

Um von A nach B zu kommen, nehme ich ein Taxi.

Taxifahrer 1: Herr Wang (sehr dünn).

Taxifahrer 2: Herr Wang (mitteldick).

Taxifahrer 3: redet ohne Unterlass und freut sich ungemein. Worüber, erschließt sich nicht sofort. Erst nach einer Weile begreife ich: Er redet nicht etwa mit mir, dem Fahrgast, sondern mit dem...

Eine böse Überraschung

Es war ein Schachzug von Erhard Friedrich, mit dem zusammen ich 1960 «Theater heute» gegründet hatte. Davon, dass Siegfried Melchinger Anfang 1963 Mitherausgeber der Zeitschrift  wurde, versprach sich der Verleger Friedrich mehr Leser aus dem Bildungsbürgertum und damit einen Zuwachs an seriösem Ansehen für die Zeitschrift. Und vielleicht auch ein Gegengewicht zu...