Yael Ronen & Ensemble: Third Generation – Next Generation

© henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH 2019

Theater heute - Logo

SZENE 1 – Niels Monolog

Niels Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann.
Ich möchte mich ganz kurz vorab entschuldigen, dass hier heute ein Stück mit Israelis, Palästinensern und Deutschen stattfindet, das wir schon vor 10 Jahren gemacht haben. Das ist nicht schön. Das tut mir wirklich leid!
Damals an der Schaubühne habe ich damit angefangen, dass ich mich für das niedrige Produktionsniveau entschuldigt habe - zehn Jahre später ist es hier am Gorki sogar noch reudiger.

Ich bin Theater gewohnt, wo Ästhetik noch was zählt, wo es Kostüme gibt und Rollennamen ...  An diesem Haus ist jedes Bühnenbild ... Nichts. Dieser eiserne Vorhang ist doch bei jedem zweiten Abend unten.
Vor zehn Jahren habe ich den Abend so begonnen:
«Hallo, guten Abend, mein Name ist Niels Bormann. Ich bin bei dieser Arbeit meinen Kollegen mit Respekt und Achtung begegnet und wurde mit einer komplett anderen Arbeitsweise konfrontiert. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Niveaus der einzelnen Schauspieler waren, was sicherlich auch mit der ‹anderen› Ausbildung da unten zusammenhängt. Die Regisseurin ist ja auch Israelin und der Humor ist nicht immer ganz meiner.»
Stimmt immer noch. Naja, gut, nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2019
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von

Weitere Beiträge
Was von der Romantik übrig bleibt

Achim Freyer tollt beim enthusiasmierten Premierenapplaus auf der Bühne herum wie ein Kind, das zum ersten Mal Schnee sieht. Am rechten Fuß einen blauen, am linken einen gelben Schuh. Solch kindliche Freude scheint auch seine Bühnenadaption von E.T.A. Hoffmanns romantischer Novelle «Der goldene Topf» von 1814 befeuert zu haben. Freude über die Möglichkeit, sich...

Frankfurt: Wer tickt am Schönsten?

Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas....

Exorzismus

Am Anfang war: ER. Der Mensch als Maß aller Dinge, damit er über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und alle wilden Tiere und über alle Kreaturen, die sich über den Boden bewegen, herrschen konnte.

Er trennte sich vom Tanzen und Rezitieren des griechischen Chorus und sprach: «ICH» – die Geburt des tragischen Helden. Von dort ging er hinaus...