Immer lächeln

Amir Reza Koohestani «Taxigeschichten» in Oberhausen

Theater heute - Logo

Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun auf die Bühne des Theaters Oberhausen.

In seiner Uraufführung «Taxigeschichten» sitzen der Taxifahrer Naser (Jürgen Sarkiss) und seine Fahrgäste in meter­weit voneinander entfernt montierten Autositzen vor einem leuchtend grünen Hintergrund. Auf der Leinwand über ihren Köpfen fahren sie aber, Potzblitz, gemeinsam in einem Taxi durch die Straßen Berlins. Je nach Status trägt man dazu obenrum Glitzershirt, Tank-Top oder Hemd und Krawatte – unterhalb der Gürtellinie dagegen fällt der Blick auf Unterhosen und nackte Beine. Mehr Kostüm ist nicht nötig, das Filmbild zeigt schließlich nur die Oberkörper, dieses kleine Spiel mit den Grenzen der filmischen Illusion bleibt allerdings das einzige seiner Art.
Koohestani, der zuletzt mit seiner beklemmenden Inszenierung «Hearing» am Frankfurter Mousonturm zu Gast war, verwendet die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Aufführungen, Neue Stücke

Aufführungen

Auf die Sitzwürste im neuen rauen Asphaltambiente der Berliner Volksbühne lädt Frank Castorf im Januar zu Hebbels mörderischer «Judith». Vordergründig zivilisierter geht es
vermutlich am Deutschen Thea­ter zu, wenn Karin Henkel mit Eugène Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» hinter die Fassade des Bürgertums blickt. Am Gorki Theater hat sich
Hakan...

Überall das Böse

Katastrophen brechen den Menschen das Genick, und wer sie überlebt, der bricht mit mensch­lichen Werten. Krieg ist so eine Katastrophe. Oder «Das Erdbeben in Chili» von Kleist. Oder das Mas­saker in David Greigs Terror-Recherchestück «Die Ereignisse».
Das Zinzendorfhaus ist – wie die Stadt Basel seit dem Erdbeben von 1356 insgesamt – ein katastrophenfreier Ort. Hier...

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht...