Mit oder ohne Zwiebel?
«Ibsen? Wer ist dieser Gibson?» Der ältere Herr mit der schön gekämmten Silbertolle wirkt irritiert. Immer wieder erinnern ihn die beiden berufsaufgeregten jungen Männer mit dem Kamerateam daran, dass sie ja gemeinsam ein Theaterstück proben «Peer Gynt» von Ibsen. Aber Herbert, so heißt der ältere Herr, ist dement. Ob er zwei, fünf, sieben oder elf Kinder hat, ob die Mauer noch steht oder nicht und ob er früher Bäcker war oder seine Frau doch ein Mann: Die Angaben darüber sind schwer im Schwanken begriffen.
Markus Schäfer und Markus Wenzel, die sich als Künstlergruppe Markus & Markus nennen, haben nach «John Gabriel Borkman» (mit einem ehemaligen Anlageberater) und «Gespenster» (mit einer Sterbehilfepatientin) auch für den dritten Teil ihrer Ibsen-Trilogie einen «echten Menschen» als Protagonisten in einem Berliner Pflegeheim gecastet. «Uns war sofort klar: Peer Gynt ist dement. Er ist ein Lügenbold und lebt in einem Fantasiegespinst», erklärt der eine Markus nach einer knappen halben Stunde das Konzept der Performance, und der andere ergänzt: «Aber wie soll man beweisen, man selbst zu sein, wenn sich dieses Selbst doch immer weiter auflöst?» Der Plan des Duos lautet, den Mann ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt
Mangelnde Selbstreflexion wird Gemma, Lina, Minna und Sibylle Bergs Ich-Erzählerin niemand vorwerfen können. Die streetwise Girlsgang ist Anfang 20, diskursfit durchtrainiert, ausgesprochen formulierungsfreudig und denkt über sich und ihre aktuellen Liebesdesaster, Figurprobleme, Darstellungs- und Selbstdarstellungsvolten sowie alle weiteren vollgegenderten...
Wie schön sich der Muezzin anhört, der aus dem weißen Grab aus Laken singt. Eine ferne Erinnerung für Ramie (Patrick Berg), der in der syrischen Stadt Homs einst für Demokratie kämpfte und es nun über das Mittelmeer geschafft hat, gelben deutschen Käse isst und von Kardamomkaffee und seinen toten Freunden träumt.
«The Trip» von Anis Hamdoun ist eine ergreifende...
Trendbewusste Theatermacher pflegen zurzeit ja eher ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Publikum. Abende, an denen Kulturaktivisten (wie neulich das Zentrum für politische Schönheit in Dortmund) exklusiv das Auditorium herunterputzen, weil es sich lieber in Yogastudios herumtreibe statt in Damaskus gleichermaßen aktiv gegen den IS und den syrischen Diktator Assad...
