Trillerpfeife und Traubenzucker

Dresden Peter Weiss «Marat/Sade»

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Die Nasszelle als Ursprungsort epochaler Ereignisse rückt zusehends in den Fokus. «Karrieren werden beim Pinkeln gemacht», erklärte Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger kürzlich auf «Spiegel online». Auch Friederike Heller versammelt die Jungs um Revolutionsführer Jean Paul Marat aus Peter Weiss’ «Marat/ Sade» in einer klinischen Edelbadeanstalt (Bühne: Sabine Kohlstedt) und schickt sie erst mal kollektiv unter die Dusche.

Wahrscheinlich handelt es sich um eine Corporate-Identity-Maßnahme, damit der hautkranke (und hier auffällig resignierte) Protagonist den Abend nicht allein in der Wanne abhocken muss.

Eine befriedigende Ergebnisorientierung – auch in diesem Punkt liegt Hellers auf sechs Akteure verschlankter «Marat»-Trupp absolut im Trend – kann man den Wellness-Komplexlern allerdings nicht nachsagen. «Tempolimit auf Au­tobahnen» oder «Mietpreisanpassung nach Kinderzahl» – das ist so der Forderungskatalog, der ihnen einfällt, wenn sie vom Zyniker de Sade (Torsten Ranft) nach ihrem revolutionären Ideengut befragt werden. Kurzum: Ähnlich wie Volker Lösch 2008 benutzt auch Heller Weiss’ in die Jahre gekommenes Thesenstück als Folie zur Hinterfragung heutigen Protest-potenzials. ...

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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 74
von Christine Wahl

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