Beschwipst vom heiteren Glanz
Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch schon aufgereiht für eine Präsentation. Inszenierung ist überall, alles ist Show. Der Kitt des Sozialen ist permanente Performanz. Was uns zusammenhält ist das, was wir uns vorspielen.
Matthias Hartmanns Abschiedsinszenierung nach fünf Jahren Intendanz in Bochum macht endlich Schluss mit dem deutschen Missverständnis, Molières «Menschenfeind» sei eine Tragödie. Pure Unterhaltung, eine Komödie ist es schließlich. Doch warum gibt es da diesen Alceste, diesen nörgelnden, inkonsequenten Moralisten? Er stürmt herein, schlägt mit der Faust auf den Plattenspieler, kämpft verzweifelt mit der unzerbrechlichen Vinyl-Platte. Ein komischer Berserker im aussichtslosen Kampf gegen das, was uns gefällt. Michael Maertens ist ein exzellenter Komiker: deutlich, ohne allzu störende Übertreibung, noch in der schlimmsten Verzweiflung so ...
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Ein Mann kommt in die amerikanische Kleinstadt zurück, in der er vor zwölf Jahren die High School besucht hat. Vor dem örtlichen Sears-Kaufhaus trifft er zufällig die schöne Belinda wieder, die damals seine heimliche Liebe war. Der Mann hat gerade seinen Job als Rechtsanwalt geschmissen, ist frisch geschieden und ohne Bleibe. Da passt es gut, dass ihm Belinda...
Einsam zurück bleiben die Außenseiter. Antonio, dem beim Töpfchen- und Deckelchen-Spiel in Belmont keine Partnerin zugedacht ist, wirkt völlig deplatziert im munteren Schlafzimmertreiben. Vor Shylock, zur Taufe gezwungen, schließen sich Fenster und Tore seiner Heimat, dem Ghetto. Jessica, Shylocks Tochter, davongelaufen mit einem Venezianer und ohne väterliche...
Rudolf Noelte kam aus dem Krieg. Er war früh zurück in Berlin und fand sich im heißen Sommer 1945 in einer zertrümmerten Gegenwart. Vierundzwanzig Jahre war er alt. Bisher Nachrichtentruppe, Leutnant zuletzt, nun berufslos. Er stand vor einer dunklen Zukunft – draußen vor der Tür. Vier Jahre im Krieg: Das gab tiefe Prägungen. Menschenschreckenserlebnisse. Den...
