Kunstaktivismus: Die Würde der Ungefragten
Die Titelseite der «taz» vom 21.6.2015 zeigte ein Foto, das (angeblich) in einem Krankenhaus im sizilianischen Augusta aufgenommen worden war. Es zeigte eine Art Andachtsraum, in dem ein riesiger geöffneter Kühlschrank stand, darin gestapelt Müllsäcke, die augenscheinlich Tote enthielten. Auf dem Steinboden darunter war ein großer brauner Fleck zu sehen, offenbar ein See aus eingetrocknetem Blut.
Dieses in seiner Lapidarität äußerst dramatische Foto hatte ein (namentlich nicht genannter) Mitarbeiter des Zentrums für Politische Schönheit bei einer Recherchereise aufgenommen, auf der ihm ein Bestatter die Leichenkammer gezeigt hatte. Der «taz»-Journalist Christian Jakob recherchierte seinerseits dem Bild hinterher und zeichnete in seiner anschließenden Reportage nach, wie überfordert die italienischen Inselkommunen im Umgang mit gestrandeten und von der Küstenwache auf See aufgegriffenen Geflüchteten sind, mit den Lebenden wie auch den Toten, die in der Regel namenlos auf den umliegenden Friedhöfen bestattet werden müssen. Die 17 Afrikaner, deren Leichen in der sizilianischen Kühlkammer offenbar weitaus länger als offiziell vorgesehen ihrer unwahrscheinlichen Identifizierung harrten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44 95...
Finanzratgeberlesern ist der Rabbi Isaac ben Aha natürlich bestens bekannt. Auf ihn geht einer der ältesten Anlagetipps überhaupt zurück, näm-lich die vor 1.600 Jahren im «Babylonischen Talmud» dokumentierte Drei-Speichen-Regel: Mit der Investition des Vermögens in «ein Drittel Land, ein Drittel Handelswaren und ein Drittel bar zur Hand» (heutzutage gern...
Es ist kalt und hermetisch in jenem «Baal», den Nuran David Calis zum Ende der Spielzeit im Leipziger Schauspielhaus präsentiert. Auf die Bühne hat Irina Schicketanz einen großen, weiß gekachelten Raum irgendwo zwischen Großraumtoilette und Gummizelle gestellt, in dem Sebastian Tessenow als Baal sein getriebenes Unwesen Revue passieren lässt. Calis spielt die erste...
