Die andere Geschichte

Pirandello «Der Mensch, das Tier und die Tugend», Johann Kresnik «Hannelore Kohl»

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Ob es eine Ehrenbezeugung vor Luigi Pirandellos Studenten- und Promotionsjahren in Bonn sein sollte, die David Mouchtar-Samorai veranlasste, das bei uns kaum bekannte Stück des späteren italienischen Nobelpreisträgers von 1919 aufzuführen? «Der Mensch, das Tier und die Tugend», in dem Lüge und Betrug als lebenserhaltende Maßnahmen die Ehre einer Dame retten, ist eine recht possenhafte Trickserei, an der hier eine speziell präparierte Cremetorte gewichtigen Anteil hat.

Der Seitensprung der Kapitänsgattin Perella (Kornelia Lüdorff) mit dem kreuzbraven Professor Unrat Paolino, dem Christian Schneller eine Art von penibel-wilhelminischer Strenge angedeihen lässt, droht sichtbar zu werden. Also muss der nur für eine Nacht heimkehrende, ruppige Ehemann, der längst andernorts seine Anker geworfen hat und heimlich eine zweite Seemannsbraut samt Nachwuchs in Neapel unterhält, animiert werden, seiner Abstinenz zu entsagen und den ihm lästigen ehelichen Pflichten wenigstens noch einmal nachzukommen, damit alles seine Ordnung behält. Wobei weniger die knallbunten Reize der aufgetakelten Ehefrau als ein Apotheker-Mittelchen helfen sollen, das sich im Dessert-Dolce verbirgt. 

Die skandalöse ...

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Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Andreas Wilink

Vergriffen
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