Leute, die Probleme haben
Für das Szenenbild-Department war «Einsamkeit und Sex und Mitleid» bestimmt ein großer Spaß. Andreas C. Schmid und Assistentin Maria Klingner haben die Räume, in denen sich die fürs Kino modifizierten Episodengeschichten aus Helmut Kraussers Roman von 2009 abspielen, wie Theaterbühnen eingerichtet: Das Callgirl-Callboy-Paar Vivian (Lara Mandoki) und Vincent (Eugen Bauder) trägt und wohnt ausschließlich weiß. Bei der Ärztin Julia König (Eva Löbau) regiert derweil die grau-weiß-holz-glas-stählerne Leere zeitgemäß hohl-designter Investorenarchitektur.
In der Gegend, in der Mahmud (Hussein Eliraqui) zu Hause ist, sind die Häuserblocks pittoresk von bläulichen und rötlichen Staubschutznetzen überspannt. Die Reihenhausgasse, aus der Familie Pfennig (Rainer Bock, Maria Hofstätter, Lilly Wiedemann, Tahlia Iman Celik) in eine Wohnung umziehen wollen, leuchtet wiederum in zartem Gelb.
So ließe sich jeder Figur in «Einsamkeit und Sex und Mitleid» – der Cast ist noch lange nicht zu Ende – ein bestimmter visueller Raum zuordnen. Erfasst werden diese Schauplätze am liebsten in Totalen (Kamera: Mathias Neumann), was die frontal drapierten Figuren mitunter so ausgestellt erscheinen lässt, wie es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Matthias Dell
Blutverschmiert hangelt sich Baumgarten aus der Tiefe eines Schweizerkreuzes. Häscher sind ihm auf den Fersen, weil er Haus und Weib gegen einen schändlichen Burgherrn verteidigt hat. Das Schweizerkreuz ist in eine dunkle Brettersteilwand eingelassen, die Bühnenbildner Olaf Altmann für Schillers «Wilhelm Tell» auf die Basler Große Bühne zimmern ließ. Durch dieses...
TH: Claudia Bauer, es war gar nicht so einfach, Sie für unser Gespräch zu erwischen. Am Freitag haben Sie in Leipzig Premiere, am Montag darauf ist Bauprobe in Graz, und am Dienstag beginnen die Proben für das nächste Stück in Basel. Schaffen Sie es eigentlich zwischendurch zum Theatertreffen?
Claudia Bauer: Doch, aber die Planung war nicht einfach, weil Basel auch...
Wenn Individualgeschichte durch alle Verwerfungen und Leiden hindurchgegangen ist, gerinnt sie zum Schlagwort fürs Fachwörterbuch: «Postnomadische Traumatisierung aufgrund von Krieg und Verfolgung» steht auf einem Flipchart am Beginn dieses Hannoveraner Abends. Man nähert sich Remarques Flüchtlingsgeschichte «Die Nacht von Lissabon» im fiktiven Rahmen einer...
