Jugendamtsamseln
Im Kaiserslauterer Pfalztheater gab es zu dieser Spielzeit einen Führungswechsel. Für den scheidenden Intendanten Johannes Reitmeier kam Urs Häberli. Der neue Schauspielchef heißt Harald Demmer und kündigt in seiner ersten Spielzeit als Spartenleiter Premieren wie Elfriede Jelineks «Winterreise» und direkt zum Auftakt Felicia Zellers «Kaspar Häuser Meer» an. Man erlaubt sich kleine Ausbrüche aus der Spielplan-Routine und kann im Fall von Felicia Zeller davon ausgehen, dass der Wortwitz der in Berlin lebenden Stuttgarterin auch in der Pfalz verstanden wird.
«Kaspar Häuser Meer» also, das Marcus Lobbes vor drei Jahren am Freiburger Theater zur Uraufführung gebracht hatte und das bei den Mülheimer Stücken den Publikumspreis gewann: Stresstiraden dreier Jugendamtsmitarbeiterinnen, bei denen man nie so richtig weiß, ob sie sich nun um die Kinder gewalttätiger Eltern kümmern oder selbst betreut sein wollen. Annika ist das Küken der Sozialtriade, Barbara die dezent intrigante Pragmatikerin und Silvia ein Urgestein der Sozialarbeit, die auch in Zeiten eines Qualitätsmanagements sozialer Dienstleistungen von so was wie einem sozialen Gewissen umgetrieben wird. Felicia Zellers Text kommt ...
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Theater heute Januar 2013
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Jürgen Berger
Woyzeck hat die Falsche umgebracht. Hätte er doch die Hauptmänner genommen, oder Doktoren, oder allen voran den Pfarrer «mit seinem widerwärtigen klerikalen Angstkontrollsystem» (Richter), vielleicht hätte sich dann was geändert. Oder? Falk Richter hat sich in seiner Düsseldorfer «Textperformance» nicht weniger vorgenommen, als Büchners radikales Werk...
Die Säule, an der ich hier stehe, stützt und ziert zugleich seit fast 800 Jahren den Kreuzgang des Naumburger Doms. Sie ist Bestandteil einer über Jahrtausende gewachsenen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut. Hier schlug im 13. Jahrhundert der Naumburger Meister seine Bildvisionen in Stein. Hier ätzte Max Klinger seine letzten Radierungen. Hier drückten...
Der Ausdruck «das Handtuch werfen» stammt aus dem Boxsport. Ein Boxer wirft das Handtuch, wenn er von den Schlägen des Gegners dermaßen demoralisiert ist, dass er keine Chance mehr sieht, das Match zu gewinnen. Die Metapher lässt sich auf den Fall des Düsseldorfer Intendanten nur bedingt übertragen – die offizielle Diagnose lautet ja: «Burnout» –, und doch fragt...
