Sterne, hm!
Der Regisseur hatte so eine Ahnung. Als der Schauspieler auf der Probe schlapp machte, schickte er seinen quirligen Assistenten hinauf, der sich mit Verve in die Szene schmiss, und dem Regisseur stand der Mund offen. Der Regisseur war Gerd Heinz, und der gedrehte Assistent Hans Christian Rudolph, Spross einer gerühmten Theaterfamilie. Schluss mit Regie also. Dafür aber sorgte Heinz nun für des jungen Burschen Karriere, auf nach Darmstadt, und dann holte ihn Boy Gobert, der charismatische Chef, an das Thalia Theater in Hamburg.
Gobert, ein versierter Schauspieler der guten alten Art, sah in ihm einen «Vertreter des romantisch-romanischen Liebhabers …», und so spielte er auch: nett, hübsch, gut, freilich immer ein bisschen erfrischend schräg, dafür sorgte schon Heinz.
Er gab aber auch den Günstling Gaveston in Marlowes «Edward II.», mit Ingrid Andree als Anne und Peter Striebeck als schwulem König. Auf einem Foto sitzt in einem Haufen Dreck und Papier mitten auf der Bühne ein wuschelköpfiger, junger Mann, mit verhetzter Grimasse, eingefangen in zahlreichen Taschenlampenstrahlen. Das ist Gaveston, kurz vor Gefangenschaft und elendem Tod: Sie stülpten ihm eine Plastiktüte über den ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Nachruf, Seite 34
von Jürgen Flimm
Nach der missglückten deutschen Erstaufführung am Berliner Deutschen Theater (s. Th 1/14, S. 35) zeigt in Hamburg Anne Lenk, wie Martin Crimps «In der Republik des Glücks» auf dem Theater funktioniert. Kleines Geheimnis ihres großen Erfolgs: Man muss Figuren, um sie zu kritisieren, sehr ernst nehmen. Dann übernehmen sie das mit der Kritik ganz von selbst.
Zum...
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Anton Tschechows «Onkel Wanja» und «Der Kirschgarten» erzählen bekanntlich von Idyllen, die keine mehr sind. Hoffnungen zerplatzen, aus Landgütern werden Grundstücke für Datschen. Von den kritischen Spitzen auf feudale Müßiggänger, aufkommenden Kapitalismus und die rücksichtslose Industriegesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ist in Christopher Durangs...
