Das Leiden am Ich
In Hessen ist «Don Karlos» Zentralabiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen teilen. Pubertär pikiert zischen die Schülerabordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runterlässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares Pausenfazit: Wer nervt, hat schlechte Karten.
Wie dumm, dass Aljoscha Langel seinen Karlos als zotteligen Loser mit Jammermiene angelegt hat. Den würde man am liebsten rauswählen.
Mehr Gnade findet Nico Links Marquis von Posa mit Robbie-Williams-Kurzhaarschnitt, der im coolen Trenchcoat ziemlich erwachsen aufläuft und versucht, die Strippen zu ziehen. Der heimliche Star des Abends aber ist, zumindest für die Abifraktion im Publikum, ein topfschnittiger junger Mann in ständig rutschenden babyblauen Puffhosen und barocken Absatzschuhen mit Schleife. Als Camp-Klischee überbringt Christian Löber Briefe, Schlüssel und Nachrichten. Offenbar hat ihn Regisseur Volker Schmalöer als einsame Parodieeinlage in seiner No-Nonsense-Inszenierung vorgesehen. Immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen fliegt, tänzelt oder stolpert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Einmal eine grünlich vermoderte und wasserunterspülte Bretter-Bruchbude als nach allen Seiten vernagelte Familiengruft, einmal eine piccobello furnierte Wohn-Esszimmer-Kombination mit offener Terrasse in Cinemascope-Breitformat. Einmal zeitlos stilisierte Familienaufstellung, einmal psychologischer Realismus im 40er-Jahre-Ambiente. Einmal choreografiert...
Hey, Professor, übernimm dich nicht, rief sie mir zuletzt am Telefon zu, ich brauch dich doch, und dann kicherte sie wie ein Backfisch, wie sie es so gerne tat; albern nannte sie mich Higgins und sich Eliza, als ob irgendjemand ihr noch irgendetwas hätte beibringen können. Wie immer dann rheinische Abschiedsgrüße: Mach et joot!
Nun also hat sie sich selber...
Patricia Benecke«pool (no water)» kam gerade in Zürich zur deutschsprachigen Erstaufführung. Uraufgeführt wurde es aber von der britischen Theatertruppe Frantic Assembly. Wie kam es zu dem Stück?
Mark RavenhillEs war eine Auftragsarbeit für Frantic Assembly. Wir haben uns über die Jahre kennengelernt und fingen irgendwann an, über ein gemeinsames Projekt zu...
