Mensch und Tier
Und dann sagt doch nach zehn Stunden tatsächlich einer: «Ich könnte jetzt noch endlos hier sitzen ...» Unersättlich oder wahnsinnig, fanatisch oder gelähmt, fasziniert oder geblendet? Auf jeden Fall: Es ist gewöhnungsbedürftig, sich an einem Sonntag mittags ins Theater zu begeben, das man erst gegen Mitternacht wieder verlassen wird. Wir leben nicht mehr im alten Griechenland, wo im Namen Dionysos’ Kunstfeste zur Freude und Läuterung der Zuschauer gleich mehrere Tage dauerten, wo das Publikum mit den Helden und Untergehern eins wurde, mit ihnen litt und siegte, verlor und lernte.
Wo man schaute und ruhte, aß und weiterschaute ...
Wir befinden uns vielmehr in München – und wer uns da für viele Stunden in die Antike mit einem Titel wie «Dionysos Stadt» locken möchte, der muss sich schon mächtig anstrengen, damit wir Sehgewohnheiten ändern, Aufmerksamkeit dosieren, Zeit vergessen. Christopher Rüping vertraut auf Neugierde und Geduld, er rechnet mit unserem Sitzfleisch und unserer Lust, sich auf etwas einzulassen, was so altmodisch wie ergreifend ist: auf das Wort, auf die Sprache, die man hört und die so oft nachklingen wird an diesem langen Tag.
Es wird unaufhörlich gesprochen auf ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Bernd Noack
Im neuen Pollesch spielt eine Drehbühne mit.» So beginnt auf «nachtkritik» die Rezension zu «Die Revolver der Überschüsse» 2013 in Stuttgart. «Mal zickt sie herum, mal kreist sie elegant um sich selbst. Eine echte Diva eben.» Der Kollege von der «Stuttgarter Zeitung» gerät bei Janina Audicks «Wimmel-Bühnenbild aus vielen Gebäudeteilen mit lauter verwegenen Spitzen,...
Die Zukunft sieht wieder einmal nicht schön aus. Wenn es nach Jörn Klare geht, hat sich die Menschheit zwar einerseits restlos diskreditiert, weil sie im Kampf gegen die Klimakatastrophe versagt hat, andererseits war sie aber schlau – oder dumm? – genug, ziemlich effiziente Algorithmen zu entwickeln. Diese «Algos», so die kumpelhafte Bezeichnung für künstliche...
Von Sorge zu Sorge spannt sich dieses Faustens Lebensbogen, spannt sich dieser sechsstündige Leipziger Erlebnisabend, der mit «Faust II» anhebt, den «Faust I» durchreist, ein poetologisches Puppenspiel zur Erklärung von Goethes Hauptwerk einschaltet, bald das Publikum entlang von «Faust»-Motiven auf Erkundungstouren durch die Stadt schickt, um gegen Mitternacht auf...
