Liebe und Mord
Kleists Landlust und -flucht war nur eine kurze, utopische Episode im Leben des Rastlosen, die ihn 1801/02 auf eine beschauliche Insel im Thuner See führte. Ein Bauer wollte er werden, dem äußeren und inneren Druck entfliehen ins Idyll. Lange hat er nicht durchgehalten, aber folgenlos blieb die Flucht nicht: Sie zerstörte seine Verlobung mit Wilhelmine von Zenge und trieb ihn in sein erstes Drama, «Die Familie Schroffenstein».
«Auf’s Land» war das diesjährige Motto der seit 1991 alljährlich veranstalteten Kleistfesttage in des Dichters Geburtsstadt Frankfurt/Oder, die aus dem nirgendwo Heimischen längst ihren Markenkern gemacht hat. «Kleist-Routen»durchziehen die kleine Stadt mit den viel zu breiten Straßen, die seit 1990 um fast 30 Prozent auf 60.000 Einwohner geschrumpft ist. Beim Mitveranstalter Kleist-Museum am Oder-Ufer spürt im Obergeschoss eine kleine Ausstellung dem Leben der verlassenen Kleist-Verlobten Wilhelmine von Zenge nach, im Erdgeschoss treffen sich tiefernste Nachwuchsgermanisten unter dem Titel «Lehrmeisterin und Ammenmärchen» zum Kolloquium «Natur in den Briefen und Werken Heinrich von Kleists» und finden sage und schreibe zehn verschiedene Natur-Kategorien im ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Magazin: Kleistfesttage, Seite 65
von Barbara Burckhardt
Der Ruhm der frühen Jahre hat Käthe Reichel zeitlebens nicht losgelassen. Mit 24 Jahren an Bertolt Brechts gerade entstehendes Berliner Ensemble engagiert, 1952 das Gretchen im «Urfaust», später im «Kaukasischen Kreidekreis» und «Guten Mensch von Sezuan» und wohl auch Brechts letzte Geliebte. Die kleine Frau mit der hellen Stimme und (oft) Baskenmütze umgab immer...
Der Führer hat mir meinen Sohn ermordet», steht auf der ersten von 276 Postkarten, die das Ehepaar Quangel in den Jahren 1940 bis 1942 wie Flugblätter in Berliner Mietshäusern auslegt. Ganze achtzehn davon, erklärt der Gestapo-Kommissar Escherich dem Widerständler Otto Quangel nach dessen Verhaftung, seien nicht bei ihm abgeliefert worden. «Achtzehn Karten!»,...
Am Eingang des beinahe dunklen Raumes hat sich ein Stau gebildet. Einige wollen raus, andere rein. Diese wollen, so scheint es, nicht in etwas hineingezogen werden, was sie nicht überschauen und was ihnen ganz buchstäblich unheimlich ist, jene sind sich nicht sicher, ob die sich stauende Menge Teil des Kunstwerks ist oder vielmehr dieses vor ihren Augen verdeckt....
