Verrat, Schuld, Erinnerung
Es gibt Heerscharen von Schauspielern hier am Rio de la Plata. Sie stehen Abend für Abend auf einer von nahezu vierhundert Bühnen, verdienen mit Schauspielunterricht etwas Geld und halten sich mit anderen Brotjobs über Wasser. Und es gibt diese Mischwesen, die gleichzeitig Autor, Regisseur und Schauspieler sind. Alejandro Tantanian ist einer der bekanntesten.
Und dann wäre da noch Rafael Spregelburd, der sich mit seinen zeitgenössischen Varianten zu den sieben Todsünden des Hieronymus Bosch bei uns durchsetzte und dessen neuestes Stück «Bloqueo» demnächst im Theatro del Pueblo zur Uraufführung kommt. An einem der ersten Augustabende traf man die beiden im Theatersaal des Goethe-Instituts mitten im Geschäftsviertel von Buenos Aires.
Es gab die spanischsprachige Erstaufführung von «Mala Zementbaum» (abgedruckt in TH 2/07), das Armin Petras zusammen mit Thomas Lawinky nach dessen Stasi-Outing geschrieben hat. Der Dialog eines Ex-Spitzels mit seinem ehemaligen Führungsoffizier wurde im Rahmen eines Zyklus’ neuer deutschsprachiger Dramatik zusammen mit Inszenierungen von Anja Hillings «Mein junges idiotisches Herz», Darja Stockers «Nachtblind» und Händl Klaus’ «Wilde – Der Mann mit den ...
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Mal angenommen, Theater funktionierte wie Fernsehen, und die Kundschaft könnte sich durch den Abend zappen, hin und her zwischen Stück und Stück: vom Wissenschaftskrimi zum Melodram, vom Trauerspiel zur Klamotte, vom Kleine-Leute-wollen-hoch-hinaus-Drama direkt mitten mang die Bösewichter im Mafia- und Killer-Thriller. So ähnlich ist «Die Dummheit» konzipiert und...
Die Straßenbahn namens Verlangen gibt es nicht mehr, so wenig wie die Haltestelle Elysische Gefilde, ja das ganze New Orleans gibt es nicht mehr, aber das nun hat Tennessee Williams wirklich nicht vorhersehen können. Tempi passati: Geradezu anrührend die sexuellen Sublimierungen, erschreckend die boshafte Selbstzensur in diesem sonst so detailverliebten Text. Man...
Wieviele Leben stecken in einem Leben?
Manchem hätte es schon für’s ganze Dasein gereicht, was der gebürtige Ungar György Tabori in seiner Budapester Kindheit, in seinen jungen Jahren in Berlin und dann in der Emigration als Auslandskorrespondent und als Mitarbeiter des britischen Secret Service (Deckname: Captain George Turner) auf dem Balkan, in Istanbul,...
