Wolfram Koch als Richard III. Foto: Arno Declair
Unheilbare Fälle
Zu Beginn der Spielzeit unter der Intendanz von Anselm Weber ist im Frankfurter Schauspielhaus die monströs breite, tiefe und hohe Bühne verschwunden. Auf dieser stets abschreckenden, auch den Zuschauern irgendwie Furcht einflößenden Fläche steigen nun Sitzreihen an, auch an den Rändern, und das Ganze bildet eine Arena – in deren Mitte, ein paar Quadratmeter nur, der enge Platz, auf dem Theater stattfindet. Sicher erinnert das ein wenig an ein Globe, nur ist dieses ungleich intimer.
In Frankfurt auf den Rängen fühlt man sich jetzt eher wie in einer Basketballhalle oder besser noch: wie am Boxring. Denn was da unten gespielt wird, ist natürlich ein Kampf.
Stéphane Laimé hat für Jan Bosses Inszenierung von Shakespeares «Richard III.» einen Raum inszeniert, der jeden in die Pflicht nimmt. Denn von Anfang an ist das Publikum, zwischen und mit dem hier gespielt wird, nicht nur Zeuge des Geschehens, sondern auch in der Verantwortung. Selten geht das Licht im Saal aus, meist kann man in die Gesichter all der anderen blicken, die so eine Art Zeugenschaft übernehmen müssen, in ihrer Regung Haltung zeigen. Denn dieser Richard rückt allen auf die Pelle. Er drückt sich und schleicht durch die ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Start, Seite 44
von Bernd Noack
Die Vorgeschichte
Im Mai 2017 nahm Kirill Serebrennikov am Gogol-Center Proben an Alexander Puschkins «Kleine Tragödien» auf. Dieses Theater hat er selbst gegründet, und in den fünf Jahren von dessen Existenz zum besten Theater Moskaus gemacht.
Im selben Monat wurde seine Privatwohnung von der Polizei durchsucht. Zunächst war der bekannte Regisseur nur als Zeuge...
Nehmen wir es einen Augenblick spaßeshalber ernst: Was könnte es bedeuten, wenn Oliver Reese, der so sehr um Gegenwart bemühte neue Intendant, seine Amtszeit am Berliner Ensemble mit Camus’ «Caligula» eröffnet? Dem Drama eines absoluten Herrschers, der nach dem Tod seiner heiß und inzestuös geliebten Schwester Drusilla auf den reichlich banalen und melancholischen...
Sie sind immer gut angezogen, sehr gepflegt, auch wenn das Jackett an Kragen und Ärmelkanten schon abgestoßen ist. Man trifft sie am Bahnhofsvorplatz, in Fußgängerzonen, im Einkaufszentrum. Wenn sie eine Pfandflasche aus dem Mülleimer ziehen, dann hat das, im Gegensatz zu den jüngeren Flaschensammler*innen mit der effizienteren Strategie, meist noch etwas betont...
