Jetzt! Oder nie
Einmal sitzt Ada vorne auf dem Boden, dort kauert sie meistens, und murmelt wieder und wieder ihr Mantra: «Ich bin jetzt!» Eine vergebliche Beschwörung von Gegenwart. Die ist den Jugendlichen in Juli Zehs Roman «Spieltrieb» restlos abhanden gekommen. Sich wenigstens in Restbeständen spüren, das können sie nicht. Nach dem Verlust von Bindung, Werten, Zukunft ist ihnen nichts Lohnenderes geblieben als der titelgebende Spieltrieb.
Gerade mal 14 soll diese Ada sein, ein schwer erziehbares, aber hochbegabtes Kind aus guter und kaputter Familie im trügerisch idyllischen Bonn.
Von ihrer bisherigen Schule ist sie geflogen, weil sie einem Mitschüler die Nase mit einem Schlagring einschlug, einfach so. Auf der Privatschule «Ernst Bloch» führt sie sich mit den Worten ein: «Mir ist so, als sei dies ein Ort für wirklich kluge, wirklich kaputte, wirklich kategorische Menschen.» Also ein Ort für altkluge kleine Kröten wie Ada, die stolz ist auf ihre Kälte und durchdrungen von ihrer intellektuellen Überlegenheit, die sie zur arroganten Außenseiterin macht und dementsprechend anfällig für die Verführungskünste einer ähnlich kalten Schnauze, des 17-jährigen Alev: ein kühler Machtstratege, ...
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Walter ist die Ruhe selbst, und er hat auch allen Grund: Denn er wird von Sepp Bierbichler gespielt, und der ist ein Behauptungsmassiv, das jede Bühnensituation in eine unverrückbare Glaubwürdigkeit stemmt.
Sepp Bierbichler steht, trinkt, sitzt und redet wie das Matterhorn: stämmiger Gleichmut, etwas vierkantig und vieltausendtonnenfach gelassen, an den Rändern...
Der Originaltitel lautet «Scenes from the Big Picture», und das trifft das Stück-Werk des irischen Dramatikers Owen McCafferty weitaus besser als der deutsche Übersetzungsversuch mit «Ein Tag im Leben des Frank Coin». Der soll so etwas wie eine «runde Sache» versprechen, immerhin einen Anfang und einen Ausklang in einem freilich endlosen Kreislauf; die...
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