Auslaufmodell Demokratie

Britta Kampert über Andrzej Stasiuk «Thalerhof»

Theater heute - Logo

Steigt man am Flughafen Krakau in einen Wagen und fährt Richtung Südosten, gelangt man bei guter Ortskenntnis nach knapp drei Stunden in ein Dorf in den Bes­kiden. Hier beginnt die Welt hinter Dukla, in der Andrzej Stasiuk zu Hause ist. Wo sich heute der polnische Nationalpark Magura in den Ostkarpaten erstreckt, verlief vor 100 Jahren noch die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Russland. Scheinbar kein bedeutender Flecken Erde, aber militärisch nahm er im Ersten Weltkrieg eine Schlüsselposition ein.

Gorlice liegt nur 20 Kilometer entfernt, zum Duklapass sind es 40 – an diesen Orten wurde über das Gesicht des heutigen Europas entschieden. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, fielen hier allein im ersten Winter über drei Millionen Menschen. Mehr als 400 Soldatenfriedhöfe, auf den wunderschönen Hügeln im Wald versteckt, legen Zeugnis ab von der gnaden­lo­sen Menschenvernichtungsschlacht, die hier tobte.

Andrzej Stasiuk besuchte diese Friedhöfe und studierte die Namen auf den Grabkreuzen. So hat er auch das Grab von Mendel Brod vom ehemaligen 4. Feldschützen-Bataillon entdeckt. Der jüdische Soldat liegt neben anderen k.u.k.-Soldaten, die aus allen Winkeln des Vielvölkerstaats stammen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 183
von Britta Kampert

Weitere Beiträge
Deutsch-amerikanische Beziehungen

Er hat einfach zu viel erlebt in seiner Laufbahn. Das Problem mit ihm ist, dass er bereits siebzig Jahre existiert und den Erfahrungshorizont eines Siebzigjährigen hat, aber im Körper eines Neunzehnjährigen gefangen ist. Er ist inzwischen keine Projektionsfläche mehr, sondern ein vielschichtiger Charakter. Das können wir nicht brauchen.»

New York City im Jahr 1941....

Impressum

Die Theaterzeitschrift
im 54. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber

Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit
Marion Schamuthe

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Knesebeckstr. 59–61, 10719 Berlin,
Telefon 030/25...

Und was wird aus meinem Fleisch?

Jedem der Stücke von Elfriede Jelinek geht ein fassbarer Schreibanlass voraus. Das ist nicht erst offenkundig, seit sie diesen das eine oder andere Mal auch einfach drüber schreibt und Sekundärdramen verfasst wie «Abraumhalde» (zu Lessings «Na­than der Weise»), «FaustIn and Out» (zu Goethes «Faust») oder «Rein Gold» (zu Wagners «Ring des Nibelungen»). Meist aber...