Die Internationale am Rhein
So hat man die Nibelungen noch nicht gesehen: Edel zwar und zart die Züge Giselhers, doch von ziemlich exotischem Adel. Omar el-Saeidi ist von ägyptischer Abstammung, 1980 in Gießen geboren. Bruder Gerenots dunkles Antlitz umrahmen schwarze Rasta-Locken. Patrick Gusset kam 1979 in Basel zur Welt, sieht aber eher nach Nordafrika aus. Und dann stürmt Siegfried auf die Bühne, der Recke aus Xanten, den einst im Film der deutsche Hammerwerfer Uwe Beier verkörperte: ein schmal fitter Latin Lover mit schwarzen Locken ums schlitzohrige Ballack-Gesicht.
Carlo Ljubek, geboren 1976 in Bocholt, hat kroatische Eltern. Die Besetzung ist durchaus programmatisch zu verstehen: In Köln sind Leute mit fremdländischen Zügen und komplizierten Namen Deutsche, Migranten in zweiter und dritter Generation, auch wenn sie nicht immer Bühnenhochdeutsch sprechen wie Karin Beiers an besten Schauspielschulen ausgebildete Protagonisten.
«Wenn im Ensemble nur ein Farbiger ist, kann man den fast nur ‹rassistisch› besetzen», sagt die neue Intendantin Karin Beier. «Er ist immer ein Zeichen. Wenn das halbe Ensemble, wie in Köln ja auch die Hälfte der Bevölkerung, einen ‹migrantischen Hintergrund› hat, wird es zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christian Stückl ist ein sehr intensiver Mensch, das merkt man schon an der Art, wie er raucht. Er zieht nicht nur an der Zigarette, er saugt daran, manchmal mit einem so zischenden Inhalationsgeräusch, dass man den Lungenzug hört. Ungefähr so muss man sich den bayerischen Lockenkopf auch als Theaterleiter und Regisseur vorstellen: gierig alles auf- und in sich...
Da hat man es endlich geschafft, lebt erfolgreich bis an die Zähne in der exklusivsten Gated Community, einem Garten Eden der Zivilisation, wo sichere Lebensverhältnisse und die Annehmlichkeiten des westlichen Lebens geboten werden, und dann das: Falk Richter schreibt ein neues Stück, nennt es «Im Ausnahmezustand» und macht alles schlecht.
Eine Kleinfamilie – Mann,...
Dass echte Kerle ihre Gefühle zeigen können, beweist der Autor am Schluss, als er zum
Applaus auf die Bühne kommt. Begeistert und überschwänglich umarmt er den Regisseur, die Bühnenbildnerin und jeden einzelnen der Schauspieler, die gerade anderthalb Stunden lang seinen Mikrokosmos der Männerwelt verkörpert haben. Simon Stephens heißt dieser gefühlsbewusste Autor,...
