Schein der Ordnung

Nicola Bramkamp über David Greig «Monster im Flur»

Theater heute - Logo

Duck ist 16 Jahre alt, hat lange braune Haare bis zur Taille, ein winziges Muttermal am Kinn und trägt eine große dicke Brille. Wenn so ein Mädchen wie sie ihre Brille abnähme und ihr Haar schüttelte, würde sich zeigen, dass sie ganz wunderschön ist, und zwar auf eine Weise, die bis dahin nicht erkennbar war. Leider ist Duck stark kurzsichtig. Ihre Brille nimmt sie nie ab. Und wenn sie es doch mal täte und ihr Haar schüttelte, würde sie wahrscheinlich mit dem Kopf gegen die Wand knallen.

Ducks Name ist eine Abkürzung und steht für die Lieblingsmotorradmarke ihrer Mutter: Ducati.

Mit genau so einem Motorrad verunglückte die Mutter vor 13 Jahren tödlich. Ducks Vater, Schokoriegelsüchtiger und Exbiker, leidet seit Jahren unter Multipler Sklerose. Die Krankheit hat ihn fast erblinden lassen, und wegen seiner zittrigen Hände kifft er noch mehr als vorher. Während er die Nächte spielend und Bountyriegel essend vor dem Computer verbringt, schreibt Duck an ihrem ersten Roman und träumt von Lawrence Lofthouse, dem schönsten Jungen der Schule.

Als David Greig vom Glasgower TAG Theatre gebeten wurde, ein Auftragswerk über Kinder zu schreiben, die erwachsene Familienangehöri­ge pflegen, hatte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 144
von Nicola Bramkamp

Weitere Beiträge
Versehrt, verletzt, vernarbt

Theater ist eine lokale Kunst. Schreiben eigentlich nicht. Theaterschreiben bestenfalls nicht. Dramatik will und soll grundsätzliche Fragen stellen. In Zeiten vielschichtiger Förderungen zeigt sich aber, dass das Schreiben lokale Verortung erfährt. Immer öfter ist nicht nur das Theater und sein Ensemble, sondern die Metropole oder der Landstrich samt seiner...

Im fremden Wasser schwimmen

Jacqueline Bolton Was für eine Herausforderung war es, mit Schauspielern aus unterschiedlichen Theaterkulturen zu arbeiten?

Sebastian Nübling Zum ersten: die Sprache. Wir haben auf Englisch probiert; für mich und für drei oder vier der Schauspieler eine Sprache, die wir durch Popmusik, Filme, Fernsehserien und, vor vielen Jahren, in der Schule gelernt haben. Da wir...

Wie Achterbahn und Seifenblasen

Drei junge Frauen entwerfen einen radikalen Glücksplan für die Gesellschaft, geraten bei der Umsetzung in die Fallstricke des Systems und fahren ihre Mission mit Vollgas gegen die Wand.

Laura Naumann erzählt die Geschichte vom Ende her: Die Figuren sind tot und rekapitulieren von einem nicht weiter konkretisierten Ort aus die beste Geschichte ihres Lebens, ihres...