Tschechows Phantome
Es ist ein Abend, wie er im Theater eigentlich immer sein müsste: betörend, melancholisch, aber auch gescheit und scharf und ausweglos in seiner Konsequenz. Ein kleines bisschen fahrig vielleicht in seiner Collagierseligkeit, manchmal etwas zu beschwipst von den Einsatzmöglichkeiten des Komödiantischen, aber doch immer Blueprint für das Leben, wie es eben ist oder nicht ist. Vergangenheit und Gegenwart in eins gefallen, ein schönes altes Bild zwar, das aber plötzlich zu leben beginnt und die schöne, träge Tschechowsche Theaterheimat unheimlich macht. Kurz: Ein neuer Pucher ist da.
Nach «Kirschgarten», «Möwe» und «Drei Schwestern» jetzt also auch der «Onkel Wanja». Und wieder ist es eine Arbeit geworden, die zwischen den Zeilen liest und grübelt und das Andere zu Tage bringt, all die höflich und krampfhaft unter Verschluss gehaltenen Neurosen und Verletzlichkeiten, und die vor allem andern eine unglaubliche Empfindsamkeit für atmosphärische Umsetzungen beweist. Pucher hat das Prinzip des Zwischenzeiligen in seinem «Wanja» noch einmal auf die Spitze getrieben und es zum Prinzip der totalen Umkehrung erhoben. Grob zusammengefasst heißt das: Wo Raum ist, wird Linie, leise ist das neue ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ausgerechnet am Tag nach der Botho-Strauß-Premiere «Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte» brachte der Zürcher «Tagesanzeiger», von seinen Lesern liebevoll «Tagi» genannt, auf seiner Savoir-vivre-Seite drei Beispiele für «Liebe und Arbeit in Personalunion». Vorgestellt wurden ein «Kunst-Paar», ein «Design-Paar» und ein «Gastro-Paar», jeweils seit 15, elf und acht...
Der Nobelpreis für Literatur für unseren größten und griesgrämigsten Dramatiker ist ein Grund zum Feiern. Es ist ein Triumph für die britische Theaterkultur, die in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen schien», so begrüßte der «Guardian» Harold Pinters Auszeichnung.
Die «Times» gratulierte und zählte Pinters diverse Verdienste auf: «Eine...
In der Not der Erfindung ist die Hoffnung das Archiv. Dort liegen die gesicherten Schätze der Vergangenheit für all jene griffbereit, die Angst haben, etwas falsch zu machen. Und das Archiv als solches ist heute so groß, tief und weltumspannend, dass der arme Künstler, der mit dem Mut den Einfall verloren hat, vielleicht sogar hoffen darf, fremde Ideen unbemerkt...
