Köln: Im Rausch der Bilder
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt. Unmittelbar danach gebiert sie unter gellenden Schreien den ersten Sohn.
Robert Borgmann lässt Isak und Inger, die Protagonisten aus Knut Hamsuns «Segen der Erde», am Schauspiel Köln in einer archaischen Ursprungsvision aufeinanderprallen. Hamsuns 1920 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneter Roman erzählt die Geschichte des Einödbauern Isak, der karges Moorland erschließt, einen Hof aufbaut, mit Inger Kinder zeugt. Eins davon tötet Inger, weil es, wie sie, eine Hasenscharte besitzt. Zügellos und anspruchsvoll kehrt sie nach acht Jahren in einer städtischen Besserungsanstalt zu Isak zurück. Weitere Siedler haben sich inzwischen in der Ödmark niedergelassen, denn Isak hat einen Teil seines kupferreichen Landes an Geissler verkauft, der eine Kupferhütte errichtet hat. Lang hält der wirtschaftliche Aufschwung jedoch nicht an, die ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf...
Unter Saddam Hussein war der Irak wunderschön», seufzt der Iraker Behnam Al-Agzeer beim Interview in der «Dezentrale» in Mülheim an der Ruhr, die vor drei Jahren noch eine Schlecker-Filiale war und nun die «Silent University» beherbergt.
Es gibt wohl kaum einen Satz, in dem sich der Abgrund zwischen westlicher und östlicher Perspektive klarer abbilden würde. Mit...
Das Schauspiel war in der Ära von Georges Delnon die drittwichtigste Sparte am Theater Basel. Der Intendant gab Publikum und Belegschaft neun Jahre Zeit, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Man gewöhnte sich aber schlecht daran. Ein Dreispartenhaus, dazu das größte der Schweiz, dessen Schauspiel zur deutschsprachigen Bühnenkunst wenig Bedeutendes beizutragen hat,...
