Unter Feinden

Stuttgart Schauspielbühnen, Altes Schauspielhaus: Joshua Sobol «Der Kaufmann von Stuttgart» (U)

Theater heute - Logo

Der Mann kommt hier nicht mehr lebendig raus – das Bühnenbild von Beate Zoff lässt da keinen Zweifel. Mächtige graue Steinwände ragen drohend im hinteren Teil der Bühne empor und zeigen so, dass der Titelheld des Stückes «Der Kaufmann von Stuttgart» schon zu Beginn des Abends ein Gefangener ist. Der Bühnenboden ist ein großer Davidstern, der auf die jüdische Herkunft des Mannes verweist und von den Figuren mit Füßen getreten wird.

Zudem hängt anfangs aus dem Schnürboden eine Nachbildung jenes historischen runden Eisenkäfigs herab, in dem der Leichnam des Mannes nach seiner Hinrichtung 1738 sechs Jahre lang ausgestellt wurde. Sein Verbrechen: Er war als Jude zu Macht gekommen. Sein Name: Joseph Süß Oppenheimer, für seine Feinde «Jud Süß».

Der jüdische Kaufmann, der einen im 18. Jahrhundert beispiellosen Aufstieg zum Berater des württembergischen Herzogs Karl Alexander erlebte, sich dadurch bei Reich und Arm verhasst machte und nach dem Tod des Gönners wegen angeblichen Landesverrats gehenkt wurde, inspirierte bereits Autoren wie Wilhelm Hauff oder Lion Feuchtwanger, aber auch Veit Harlans berüchtigt antisemitischen Nazi-Propagandafilm. Nun hat Joshua Sobol ein neues Drama über ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2013
Rubrik: Chronik: Stuttgart, Seite 60
von Marius Nobach

Weitere Beiträge
Funktionieren aus Prinzip

So ein Haus am See wirkt sehr entspannend: Durchs riesige Panoramafenster weitet sich der Blick auf Blau und Grün, Wasser und Wald. Eine selige, blutdruck­senkende Ruhe breitet sich aus. Innen nur weiter Raum und helles Holz, minimalistische Sauna-Moderne. Noch vor ein paar Jahrzehnten hätte man sich bei diesem Anblick unsterblich angeödet und die abgelegene Ecke...

Spielpuppenland

Geld ist wohl genug da, im Zwischenmensch­lichen aber hapert es bei Sandra und Herwig. Söhnchen Marko starrt stumpf in die Welt, und dann ist da noch die Sache mit den Fröschen rund um den Swimming Pool. Auch die lassen nicht mit sich reden, laichen vor sich hin, werden immer lauter und liefern den Titel für das Stück von Johannes Hoffmann, der damit den...

Real war nur das Theater

Für ein weiteres Buch über Gustaf Gründgens, den versierten Schauspieler, Revue- und Kabarettstar, ab 1930 auch erfolgreichen Film-, Theater- und Opernregisseur, dann von Göring gestützten Staatstheaterintendanten und auch in der frühen Bundesrepublik wieder hochgeschätzten Theatermann können sich Geld zur Verfügung stellende Stiftungen und viele Verlage immer...