Getragene Kleider, dünne Suppe und Therapieangebote von Mitleidenden (Jan Liefhold und Sonja Pikart) spendiert SIGNA in der immersiven 12-Stunden-Performance «Das halbe Leid» im Hamburger Norden; Foto: Erich Goldmann/Schauspielhaus

Der gedankliche Stillstand

Nähe und Distanz in Hamburg: Fürs Deutsche Schauspielhaus kultivieren Signa «Das halbe Leid», am Thalia Theater beklagt Sebastian Nübling den «Tod eines Handlungsreisenden»

Theater heute - Logo

Die Nacht an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist das Einschlafen, der Moment, wenn ein Alb namens Dolores, «die Schmerzensreiche», ans Bett tritt und einen peinigt. Manchmal sitzt Dolores einem nur auf der Brust, das geht dann noch, unter Umständen wärmt sie sogar, aber meist zwängt sie einem die Augenlider auseinander. Oder sie nimmt einem den Atem. Oder sie zerrt einen tiefer ins Leid.

Erzählt Wolfgang (Lorenz Vetter), eine ständig unter Strom stehende Gestalt, die ohne Unterbrechung Schläge zu erwarten scheint, ein verängstigter Typ, der augenscheinlich schon ziemlich tief im Leid steckt.

Das dänisch-österreichische Künstlerduo Signa hat zum dritten Mal einen seiner mittlerweile typischen Horrormitmachparcours fürs Deutsche Schauspielhaus gebaut, diesmal unter dem Titel «Das halbe Leid». Standort ist eine ehemalige Fabrikhalle im Hamburger Norden, wo ein obskurer Verein namens «Das halbe Leid e.V.» eine Art Obdachlosenunterkunft mit an­geschlossener Therapieeinrichtung betreibt. In der Halle findet man zwei Schlafsäle von er­schre­ckender Trostlosigkeit, Männer unten, Frau­en oben, eine Küche, in der die von früheren Signa-Arbeiten bekannte dünne Gemüsesuppe vor sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 5
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Daten (01 2018)

Aachen, Grenzlandtheater

30. Enrico, Paulette

R. Uwe Brandt

 

Aachen, Theater

18. Massini, Ichglaubeaneinen­einzigengott.hass

R. Matthias Fuhrmeister

26. Ambjørnsen, Hellstenius und Næss, 

Elling

R. Sebastian Martin

27. Zeh, Unterleuten

R. Marcus Lobbes

 

Aalen, Theater der Stadt

21. Maar, Kikerikiste

R. Winfried Tobias und Ensemble

 

Ansbach, Theater...

Im Schockzustand

Neben einigen Missbrauchsgeschichten aus dem Universitäts- und Verlagsbereich kamen die beiden auf­sehenerregendsten #metoo-Stories, die in den vergangenen Monaten in Ungarn publik wurden, aus dem Theaterbetrieb. Sie versetzten die Gesellschaft in einen Schockzustand. 

Man kann die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen: Etwa, wie die offiziellen,...

Bochum: Fegefeuer der Kuscheligkeiten

Familie ist dann besonders grausam, wenn Papa und Mama einen streng organisierten Haushalt bevorzugen und den totalitären Organisationszwang derart infam mit einer Kuschel- und Wohlfühlatmosphäre abfedern, dass die Kinder zu genussunfähigen Heuchlern heranreifen. In Bochum, wo Laura Naumann zusammen mit der Regisseurin Anna Fries und dem Ensemble ein Stück zum...