Insel mit Schafen

Kaiserslautern: Nora Büttner «Schafinsel»

Theater heute - Logo

Jetzt wissen wir es: Reclam-Heftchen zählen doch mehr als Street-Credibility. Nori Gahl gehört zu den Nutten, denen «es» nix ausmacht und die ihr Herz trotzdem am rechten Fleck haben. Außerdem träumt sie von der Insel (mit Schafen). Dorthin will sie (darum geht’s in «Schafinsel») nicht mit Toni, ihrem Macker, Verprügler und Zuhälter, sondern mit Henning, dem Abiturienten und Stotterer aus der Wohnung oben drüber, der eben eines jener gelben Heftchen (F. Schiller) mit sich rumträgt.

Nehmen wir dazu Hennings Mama Lore und Noris Alte Lisa, ist das Personalquartett komplett.

Das geht nicht gut: Auch Hennings Hormone werden durcheinander gebracht, von Nori, gleichzeitig sperrt Lore Hennig ein. Dabei macht sie sich selbst vor, wie liberal sie ist, weil sie mit Noris versoffener Mama Lisa artig Kuchen isst.

«Schafinsel» ist ein Sozialdrama. Unterschicht trifft auf irgendeine Form von unterer bis mittlerer Mittelschicht, entsprechend sprechen die Figuren ganz leicht milieugemäß. «Wenn die drauf ist, faselt die, als hätte sie ein Abi», sagen erst Toni, dann Lisa über Nori. Außerdem ist das Stück ein Schmachtfetzen (Lore-Roman): die romantische Liebe über soziale Grenzen hinweg, die Kraft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Peter Michalzik

Weitere Beiträge
Angela Regina

Am Sonntag, dem 30. Dezember 2012, besuchte Angela Merkel eine Vorstellung von «Ödipus Stadt» am Deutschen Theater. Zufällig wohnte auch ich, Kritiker und Theaterwissenschaftler aus Belgrad, dieser Vorstellung bei. Frau Merkel saß auf dem Sitzplatz Nr. 16 in der ersten Reihe auf der ersten Galerie und ich auf dem Sitzplatz Nr. 22 in der dritten Reihe derselben...

Volk von Spaßvögeln

Unbewaffnet rückt kein Eidgenosse aufs patriotische Feld aus. Wilhelm Tell trägt seit Jahr und Tag Armbrust. Auch der Schauspieler Mike Müller wappnet sich für seinen «Truppenbesuch». «Müller inspiziert die Schweizer Armee», verspricht sein Soloabend im Zürcher Neumarkt im Untertitel.

Es hat etwas Zivilritterliches, wie sich Mike Müller das Thema erobert. Der...

Pläne der Redaktion · Impressum

Das zweite Leben auf der Bühne: Suse Wächter spielt mit und durch Suse Wächters Puppenein Porträt

Seit 2008 leitet Stefanie Carp das Schauspiel­programm der Wiener Festwochen – eins der größten europäischen Festivals. Ein Gespräch zum Abschied

Wie fühlt man sich als augenscheinlicher Ausländer, wenn man am Tag nach einem Anschlag durch die Straßen der Großstadt...