Kulturen und Clashes
Jeder für sich hat seine Eigenheiten, aber alle zusammen sind sie eine wirklich herzwärmende Urhorde: neun Menschlein, nackt und schamfrei in ausgepolsterten Bodysuits mit dicken Bäuchen, hängenden Brüsten, kleinen Schrumpelpimmeln, schwabbelnden Fettpolstern, wie sie mit leicht eckigen Bewegungen, dabei recht gelenkig durch ihre Familienhöhle turnen. Sie sprechen ein wenig beschränkt mit altertümelnden Stummelsätzen, sind auch sonst nicht die Allerhellsten, aber sie scheinen fleißig und um Zusammenhalt bemüht.
Man hangelt sich mangels Treppen ein wenig affenartig durchs kinderbunte Knusperheim, schläft eng aneinandergekuschelt im Matratzenlager auf dem Dachboden und geht im Erdgeschoss handwerklichen Betätigungen zum Broterwerb nach. Übertriebene Gefühligkeiten sind überflüssig im Herdenverband. Vati vergewaltigt zwischendurch Mutti und prügelt Sohn windelweich, aber man kennt sich ja: ein Herz und eine Seele mit Geschäft. Alle paar Jahrzehnte ruckelt die ganze Mischpoche eine Generationenfolge weiter durch die Zeitläufte, ohne dass sich am Sippenverband viel ändert.
Olga Bach hat ihr neues Stück «Kaspar Hauser und Söhne» erkennbar als Voraus- und Fortsetzung ihrer ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen: Neue Stücke, Seite 28
von Franz Wille
Dieses Lied spielte das Bordorchester auf der «Titanic» als Letztes, bevor auch Bass, Klavier und die acht Musiker versanken in eisigen Fluten: «Nearer my God to Thee». Als beinahe alles gesagt ist in der Braunschweiger Version von Thomas Köcks mittlerweile von zahlreichen Bühnen erforschtem Stück, wenn also im Text die rätselhaft-vergessenen Gestalten in...
Regieren kommt von Gier. Da hat der Herzog Vincentio erstens recht und zweitens den wunden Punkt so ziemlich aller Staatssysteme getroffen, die vor und nach William Shakespeare denkbar waren. Nur Vincentio selbst, dem ist die ewige Volksbeherrscherei lästig. Auch scheint das Gros der Untertanen seinen Stil, das Laissez-faire, kaum noch zu schätzen. Also verordnet...
Der einzige Ausweg der Männer ist der Weg der Bande», heißt es einmal in August Strindbergs «Der Vater». Eine solche Männerbande stapft auch durch Nicolas Stemanns Inszenierung des Dramas: sieben Kerle mit prächtigen Vollbärten und Holzfällerhemden, die volltönend launiges Liedgut anstimmen wie «Ein Prosit der Gemütlichkeit» und «Olé, wir fahrn in Puff nach...
