Regeln der Fernsehmenschlichkeit

Steffen Seibert lebt seine Nachrichten

Theater heute - Logo

Für Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Nachrichtensprecherei vielleicht die größte Herausforderung unserer Tage. Zwischen kritischem Verfremdungseffekt und Einfühlungstheater liegt nur ein Hauch. Mit dem Lüpfen einer Augenbraue hat man die Seiten gewechselt. Und in was für einem Krieg – zwischen Kunst und Kitsch, Qualität und Quote, Vernunft und Wahn, Ober- und Unterschicht! Ein Kampf um die Herzen der Zuschauer, um die Köpfe schon lange nicht mehr.

Steffen Seibert ist der größte, der tollste, der unverfrorenste Schmierendarsteller auf der Nachrichtenbühne.

Keiner Kollegin, keinem Kollegen gelingt es, sich die verlesene Nachricht so gnadenlos untertan zu machen, sie so restlos dem eigenen Gefühlshaushalt einzuverleiben, sich mit ihr in den Tiefen des Sonnengeflechts zu vereinigen und als ein Respekt und Mitgefühl gebietendes Gekröse wieder abzugeben. An Seibert können junge Schauspieler lernen, wie man spielt, dass man fühlt. Mitfühlt. Immer. Wie man die Zuschauer mitnimmt. Ihnen das eigene Gefühl als das ihre aufzwingt, als hätten sie nie ein eigenes besessen.

Iraker werden in der Luft zerrissen, Reformen werden wieder nichts, was Steffen Seibert an sich alles nichts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 61
von Robin Detje

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mutwillige Sachunkenntnis

Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...

Hurra, jetzt ist der Oli tot!

Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...

Ravenhills Patenkinder

Krakau hat ähnlich viele Theater und Theaterchen wie Kirchen und Kapellen – und das will was heißen. Krakau hat aber auch – trotz Tadeusz Kantor und alledem – den Ruf einer kulturell konservativen Stadt; das Neue erwartet man eher aus Warschau oder Danzig. Beständigkeit ist eben ein unübersehbarer Wert zwischen jahrhundertealten Bürgerhäusern, der majestätischen...