Art Fair Play Talk
In einem Aufzug, ca. 30 Messegäste. Man hört in regelmäßigen Abständen einen Papagei «loop, loop» krächzen.
Philipp Preuss Wir begrüßen alle Zuschauer und wollen gleich in medias res gehen. Zu meiner Linken begrüße ich Laura Bartleby und – nach längeren Ausreiseproblemen – Anatol Attivic aus Moskau, zu meiner Rechten Brian Cameo, der gerade aus L.A. eingetroffen ist. Ich hoffe der Jetlag ist nicht zu hart.
Brian Cameo Im Gegenteil. Ein angenehmes Browsen zwischen Wachen und Schlafen.
Philipp Preuss Traumhaft. Unser Thema heute ist E-Fluxional. Es geht um die Verflüssigung von Identität in unserem digitalen Zeitalter. Spinoza meinte, ein Tropfen Wasser hat die Idee des gesamten Ozeans in sich. Müssen wir uns selbst auch so begreifen, als Tropfen in einem digitalen Meer?
Laura Bartleby Die Identität wird verflüssigt, ja. In meiner letzten Arbeit «Lazarus Revisited» aber geht es nicht um Identitätsvervielfachungen im Web, sondern um eine Verschiebung des Todesbegriffs im Postdigitalen überhaupt.
Philipp Preuss Zur Erklärung: Laura Bartleby hat ein täuschend echtes Imitat eines toten Fischs geschaffen, der von den Zuschauern mittels Fernbedienung zum Leben erweckt wird. Das ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 52
von Philipp Preuss
Ende der Vorstellung: Eine junge Frau verirrt sich in den leeren Theatersaal und trifft dort auf einen mittelalten Mann. Sie ist Autorin, er Regisseur. Doch davon wissen die beiden zunächst nichts. Wovon er dagegen schnell erfährt, ist ihre Wut. Denn diese ist immens. Sie ist wütend über den katastrophalen, leblosen Theaterabend, den sie erlebt hat. Sie ist wütend...
Theater heute Wir wollen heute über Kunst und Künstler*innen reden. Wie hat sich der Begriff, der Anspruch, die Praxis in den letzten Jahren verändert – auch und gerade durch die sozialen Medien? Der gute alte romantische Kunstbegriff mit seiner Genie-Ästhetik steht ja schon lange unter Druck. Entstanden zu noch feudalen Zeiten, gefeiert in der industriellen...
Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig....
