Doppelgeschöpf, weiblich
Es war ’ne doofe Idee. So ’ne typische Journalisten-Idee. Jetzt stapft Sandra Hüller mit energischen Schritten, die Silhouette schwankt leicht von links nach rechts, auf den Max-Joseph-Platz zu. Da, wo die Münchner Maximilianstraße ihren Anfang nimmt. Die weltberühmte Modemeile.
Wir sind zum Bummeln verabredet. Und zum Reden. Bummeln – natürlich ein Witz. Es ist neun Uhr morgens, keine der Luxusboutiquen hat geöffnet. Bei Jil Sander, das werden wir gleich sehen, schiebt eine Putzfrau noch den Staubsauger an den Verkaufstischen entlang. Und blickt uns irritiert entgegen.
Dieser schöne Laden, den hab ich so gern, immer will ich vorbeigehn und schauen, immer drücke ich mir die Nase an der Scheibe platt, bilde mir sogar ein, neulich hätte mir jemand aus dem Laden zugewinkt, aber das war sicher eine Vision, eine Erscheinung. Die Putzfrau zieht mit ihrem Staubsauger weiter. Echtes Leben zwischen unwirklichen, unwirtlichen Schaufensterpuppen. «Diese Kollektion ist etwas sackig», wird Sandra Hüller gleich fachkundig bemerken. «Die sieht nur an diesen Magersuchtpuppen gut aus, weil sie dort eine schöne Silhouette ergibt. Aber wenn unsereins das anzieht ... tolle Schwangerschaftsmode!«
Aber ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Spieler des Jahres 2013, Seite 100
von Vasco Boenisch
44 Kritiker! Geballte Kompetenz, Urteilskraft, Gefühlsstärke und Sensibilität! Dabei ist selbstverständlich jede ästhetische Wertung hochindividuell und unübertroffen. Und wenn sich dann noch einige unserer Kritikerkollegen unerwartet einig werden, ist die Überraschung perfekt: Die Sieger des Jahres, die Stücke, Inszenierungen, Spieler und Theater der Saison!
...1899 schreibt der polnischstämmige Brite Joseph Conrad unter dem Eindruck des belgischen Kolonialismus eine Erzählung, die ihn weltberühmt macht: «Herz der Finsternis». Sie erzählt von der Reise des Kapitän Marlow ins Herz Afrikas, in die Wildnis des Kongo, zu Menschen, die, vom europäischen Kolonialismus zu Zwangsarbeitern erniedrigt, gequält, gefoltert und...
Er hat einfach zu viel erlebt in seiner Laufbahn. Das Problem mit ihm ist, dass er bereits siebzig Jahre existiert und den Erfahrungshorizont eines Siebzigjährigen hat, aber im Körper eines Neunzehnjährigen gefangen ist. Er ist inzwischen keine Projektionsfläche mehr, sondern ein vielschichtiger Charakter. Das können wir nicht brauchen.»
New York City im Jahr 1941....
