Bamberg: Quellen der Inspiration

Robert Woelfl «Überfluss Wüste»

Theater heute - Logo

Es entbehrt natürlich nicht einer wohlkalkulierten Ironie, dass sich Zoe ausgerechnet an diesen Punkt des Universums begeben hat, um den Weltuntergang abzufeiern: Sie steht vor den «Quellen der Unsterblichkeit», einer tiefen Erdspalte mitten in der Wüste von Nevada. Hier sollen sich – so will es Robert Woelfls jüngstes Stück «Überfluss Wüste» – schon Bill Gates, Steve Jobs und Mark Zuckerberg digitale Inspiration geholt haben. 

Derlei Perspektivisches hat die streberhafte junge Elite-Programmiererin mit Stanford-Abschluss (Corinna Pohlmann) freilich nicht mehr nötig.

Sie ist inspirationstechnisch schon zum Ultimo vorgedrungen: Ihr eigenes ambitioniertes Programm war es, das für den heutigen Tag die Apokalypse vorausberechnet hatte – die Zoe übrigens nicht ungelegen kommt.

Schließlich gibt es da ein paar unerreichte Lebensziele: Weder der Hausbesitz in San Francisco noch die angestrebte sechsköpfige Kinder- plus Hundeschar konnten bis dato auf der To-Do-Liste abgehakt werden. «Seit ich weiß, dass die Welt untergehen wird, mache ich mir weniger Vorwürfe, dass ich das alles nicht erreicht habe», folgert die Programmiererin messerscharf, die die Bühnen- und Kostümbildnerin Dorothea ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Konstanz/Singen: Jenische Archäologie

«Schiggele» ist ein Mädchen, und wer auf Deutsch lacht, «schmollt» auf Jenisch. «Mulo» ist Tod und Teufel in einem – Jenisch ist die Sprache von fahrendem Volk. Anleihen gibt’s aus dem Romanes, der Sprache von Sinti und Roma (das sind «Ma­nische» neben den «Jenischen»), auch Jiddisch, Deutsch und vieles mehr klingt mit, wenn Jenische sprechen. Für den in Singen...

München: Gotteskomplexe

Im Anfang war enttäuschte Liebe. Ein Gefühl, das mit aller Heftigkeit und explosiven Energie einen wunderbaren Ausgangspunkt für eine Standortbestimmung in transzendenten Fragen abgeben kann. Und so beginnt Yael Ronens jüngstes Werk «#Genesis / A Starting Point», bei dem es um den Urgrund der Schöpfung, vielleicht auch des Schöpferischen gehen soll, zunächst mit...

Die Ordnung der Dinge

Donald Trump hat auch sein Gutes. Ohne ihn als Inspirationsquelle hätte Stephen Greenblatt, wie er im Nachwort bekundet, nie sein neues Buch geschrieben. «Der Tyrann», eine «Machtkunde für das 21. Jahrhundert» ist ein Close Reading von Shake­speares Macht&Herrscher-Stücken, den Königsdramen und Tragödien der «Rosenkriege», den Usurpatoren-Biografien von Macbeth und...