Der Sinn hat Schweigepflicht
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze liegt in greifbarer Nähe.
Bei so viel Modernisierungsoptimismus und Internationalität stellt sich natürlich die Frage: Was wird aus dem versifften Glamour, für den die Donaumetropole schließlich berühmt ist, dem legendären Wiener Schlendrian? Aus den abgerockten Beisln, den unfreundlichen Kellnern und überhaupt der Trinkkultur, die Komatrinken bereits zelebrierte, als es noch gar kein Wort dafür gab?
Pippi im Tschocherl-Land
Geht es nach der 31-jährigen Wiener Autorin und Zeichnerin Stefanie Sargnagel, dann braucht die Stadt keine Hipster-Lokale, in denen grüne Smoothies in Marmeladengläsern serviert werden, Dosenbier hat auch seinen Charme. Und überhaupt sollten sich Frauen nicht dauernd darüber Gedanken machen, wie sie ihren Body upgraden können. Sargnagel, die mit wirklichem Namen Sprengnagel heißt, ist das Postergirl ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Karin Cerny
Wie die Zeit doch selbst den Klang der Namen verändert! Als das Stück «A bright room called day» 1985 in New York uraufgeführt wurde, da klang Kushner, der Name des Autors, politisch, aufgeklärt, demokratisch. Man dachte an New York, jüdisch-intellektuelles Milieu, Widerstand gegen die Regierungsmacht. Wenn nun, dreißig Jahre später, das Stück unter dem...
«Dantons Tod» in einem Satz? «Die Revolution ist die Maske des Todes.» Der Satz findet sich, leitmotivisch wiederholt, in Heiner Müllers Stück «Der Auftrag» (1979), einem gallig-dialektischen Nachspiel zu Büchners melancholischem Revolutionsdrama. Drei Emissäre des französischen Konvents landen Anfang des 19. Jahrhunderts auf Jamaika. Ihr Auftrag ist es, einen...
Was ist dieser Tartuffe für einer? Ein Sektenguru, der einen Vater seiner Familie entfremdet, indem er gottgefällige Gebote ausspricht. Vielleicht sogar die Inkarnation eines ziemlich trendigen asketischen Zeitgeistes: gegen Rauchen, Trinken, Laisser-faire. Und hintenrum natürlich durch und durch verlogen. Wie die meisten Reinheitsapostel.
Bei Martin Laberenz in...
