Radio Briest

Sienknecht nach Fontane «Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie» in Hamburg Schauspielhaus

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«It’s a man’s world», röhrt Michael Wittenborn, der Moderator der Briest-Radio-Show, ins Mikro. Ja, it’s a man’s world, in der Fontanes Effi Briest vor rund 120 Jahren in einer arrangierten Ehe mit dem Langweiler von Instetten auf dem Land verödet und mit dem Filou Major Crampas zur Seite springt, der, als die flüchtige Affäre Jahre später auffliegt, vom entehrten Ehemann im Duell erschossen wird. Effi verliert ihr Kind, wird von Mann und Eltern verstoßen und landet im gesellschaftlichen Abseits.

Die wilhelminische Gruselgeschichte, enervierten Abiturienten bis heute gerne als Beispiel des Epochenbruchs serviert, als Radioshow angerichtet im vollgerümpelten Tonstudio der Seventies von Marthaler-Schüler Clemens Sienknecht, ist der Hit der neuen Saison im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses. Mit gutem Grund.

Anke Grot hat das wilhelminische Personal mit sperrigen Locken, Fönwellen und Ponyfrisur, Hawaiihemd, Lederweste und psychedelischen Pullundermustern liebevoll in Kontrast gesetzt zu Gehrock und Korsettkleid der Fontane-Zeit. Vom Plattenspieler erklingt immer wieder häppchenweise Gert Westphals sonore Verlesung des behä­bigen Romans, dem alle andächtig lauschen, um ihn im ...

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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Barbara Burckhardt

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