Fenster ohne Vorhang
Vor einigen Jahren, ich war Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, später in Zürich, wurde mir das deutschsprachige Produktionssystem unheimlich, weil seine Begriffe, mit denen ich aufgewachsen bin und auch gewohnheitsmäßig umging, nicht mehr zu erfassen schienen, was da plötzlich entstanden ist in den späten 90ern und frischen Nullerjahren des neuen Milleniums. Damals fing ich an, vom «Theater des Tages» und einem «Theater der Nacht» zu sprechen.
Schauen Sie sich unsere traditionellen Stadttheater in der westlichen Welt an – es sind Höhlen.
Wenn sich die Türen, die in ihr Inneres führen, schließen, wird es dunkel und still, nichts von draußen dringt mehr herein, und alles, was wir ab nun im Inneren dieser Höhlen erblicken, ist hier unter den Bedingungen seiner besonderen Künstlichkeit zur Erscheinung gebracht – im Kunstlicht der Scheinwerfer, an einem Ort, der nicht der Ort ist, von dem die Schauspieler sprechen, die meistens in der Maske waren, bevor sie auftreten, und Namen tragen, die nicht ihre sind. In diesem Vivarium treten die Toten wieder auf – sie werden durch das Blut von uns Zeitgenossen wieder belebt; Häuser wie dieses, in dem ich gerade spreche, sind also Draculas Burg. ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Essay, Seite 46
von Thomas Oberender
Die Inszenierung hatte ihr Handicap: In Stuttgart fiel kurz vor der Premiere Thomas Lawinky aus, und der eigentlich mehr vom Fernsehen her bekannte junge Marek Harloff sprang ein. In dieser kurzen Zeit kann niemand zu Richard III. werden, und sie reicht wohl gerade einmal dazu aus, den Text zu beherrschen. Harloff stand die drei Stunden tapfer durch. Über seinen...
Es ist der ewige Mordbrenner, der in Chemnitz in der Regie von Malte Kreutzfeldt die Spielzeit eröffnet. «Richard III.» steht auf dem Programm, und der blutsaufende Königsmörder wird verkörpert von Susanne Stein. Die findet von Anfang an den richtigen Ton. In schwarzem Smoking und Armeestiefeln führt sie als Conferencier des Bösen durch den Abend und macht schnell...
Der Ansturm hat nachgelassen. Zwar gibt es noch Sperrgitter vor dem Oberlandesgericht München in der Nymphenburger Straße, aber im Saal 101 bleiben inzwischen häufig Plätze frei. Seit Mai 2013 wird dort Beate Zschäpe, Überlebende der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle, bekannt auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), der Prozess gemacht. Vorgeworfen...
